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METATHEORIE DER VERÄNDERUNG

Newsletter I - 2017
von Klaus Eidenschink & Kirsten Brühl
Willkommen zum halbjährlichen Newsletter des Portals der Metatheorie der Veränderung.
 
Unser inhaltlicher Schwerpunkt diesmal: Passt der Mensch zu Organisationen - und zu der Welt, die auf uns zukommt? Außerdem: Infos zu interessanten Büchern, Themen und Terminen rund um das Thema Organisationen und Metatheorie.
  1. Können Organisationen glücklich machen? 
  2. Sechs Thesen zu einer Psychodynamik der Unbehaustheit
  3. Leitprozesse der Metatheorie als Podcast
  4. Neue Fortbildungen
  5. Frisch gelesen I
  6. Frisch gelesen II
  7. Termine 
  8. Zu guter Letzt...
1. Können Organisationen glücklich machen?

Wie glücklich man sich fühlt, hängt davon ab, was man von dem  Kontext erwartet, in dem man nach Glück sucht. Deshalb lohnt sich ein Blick auf die - meist vollkommen selbstverständlichen - Erwartungen, die Menschen mit Organisationen verknüpfen. Viele suchen dort Humanität, Wertschätzung, Gerechtigkeit, Sicherheit und Sinn. Und gleichzeitig sind es genau diese Erwartungen, die mit Sicherheit Unglück generieren. Setzen sie doch voraus, dass Organisationen überhaupt in der Lage sind, sie zu bedienen. Da diese aber einer eigenen Logik folgen (müssen), richten sie sich eben nicht an den Bedürfnissen von Menschen aus: Organisationen bearbeiten Konflikte, sie verwalten Knappheit und damit immer auch Ungleichheit, sie nutzen Austauschbarkeit, sie bestehen auch aus sinnlosen Prozessen und können selten für alle(!) Mitarbeiter eine Art von "idealen Eltern" oder der "Traumpartner" sein, die sie mit Zuwendung versorgen. Provokante These? Vielleicht. Die Sinnforscherin Tatjana Schnell zumindest empfiehlt, Sinn nicht mehr (nur) in der Arbeit zu suchen.

Weder Organisationen noch Menschen kann daher gedient sein, wenn man sie an der falschen Stelle kritisiert. Sich über Organisationen zu beklagen und Verbesserungen vorzuschlagen ist leicht, vielleicht auch viel zu leicht - und vor allem sehr wirkungslos. Hier findet sich ein Hintergrundartikel für den persönlichen Gebrauch. (ke)
 
- ARTIKEL: Glück oder Burnout in Organisation -
2. Sechs Thesen zu einer Psychodynamik der Unbehaustheit

Die Gesellschaft, die sich gerade entwickelt, wird sehr viel anders aussehen als die, die wir kennen. Können wir also als Menschen so bleiben, wie wir sind? Das ist sehr fraglich. Aus der Vorbereitung für einen längeren Artikel zum Thema haben wir sechs Thesen formuliert, warum die kommende Welt psychisch so herausfordernd ist - und welche Kompetenzen uns Menschen in Zukunft abverlangt werden. (ke)
 
- Sechs Thesen zur Psychodynamik der Unbehaustheit -
3. Unsere Leitprozesse als Podcast.  

Marcus Dobberstein hat die metatheoretischen Leitprozesse für Organisationen und Teams als Podcast-Stream aufbereitet: Organisationsdynamik und Teamdynamik. Für all die, die Metatheorie auch gern im Auto, am Strand oder auf Reisen anhören, ist hier unterhalb die Möglichkeit zum Download.
- DOWNLOAD: Leitprozesse von Teams und Organisationen -
4. Coming 2018/19: Masterausbildung und "Einführung in die Metatheorie der Veränderung"

Wie kann die Metatheorie als komplexitätsgerechte Theorie ihr Potential für innovatives Handeln in Organisationen entfalten? Dazu wird es eine längere Ausbildung in Organisationsberatung unter Leitung von Klaus Eidenschink und Ulli Merkes zusammen mit einem Lehrteam von ausgewiesenen Spezialisten in (Culture) Change, Strategieentwicklung und Führung geben. Der integrierende Rahmen sind die Leitprozesse der Organisations-, Psycho- und Teamdynamik. Angeboten wird die Ausbildung über das Weiterbildungsinstitut HEPHAISTOS, das sein Lehrteam inzwischen deutlich vergrößert hat. Voraussetzung für die Teilnahme sind ein vorhandenes Praxisfeld für Beratung in Organisation sowie das Absolvieren der beiden dreitägigen Basis-Seminare "Organisation - was ist das?" und "Beratung in Organisationen". Wer Interesse an den nächsten Schritten hat, schreibt an info@hephaistos.org.

Ein Seminar zur Einführung in die Metatheorie der Veränderung für interessierte Kollegen, die auf der Suche nach Integration und Neuem sind, gibt es hier. (ke)
 
- Einführungsworkshop: Metatheorie der Veränderung -
5. Frisch gelesen (I): "Zwei Seiten der Erfahrung"

Das Buch "Zwei Seiten der Erfahrung" von James March, einem der klügsten Organisationstheoretiker aus USA, sei allen, die in Organisationen handeln, wärmstens empfohlen. Er begründet kenntnisreich, warum es in Organisationen keine Rezepte für Erfolg gibt (und geben kann), Lernen nie nur gut ist und auch Erfahrung nichts ist, worauf man sich verlassen kann. Wer den metatheoretischen Leitprozess "Vergangenheitsbehandlung" innerhalb der Organisationsdynamik besser verstehen will, bekommt in diesem knappen Buch eine Fülle von Material. 
March verweigert sich konsequent allen Wünschen des Lesers, doch zu erfahren, wie "es geht" oder wie "es richtig ist". Gleichzeitig gelingt es ihm dafür zu sensibilisieren, wie Innovation entstehen kann, woran man schlechte Entscheidungen erkennen kann und welche Formen von Naivität im Kontext Lernen problematisch sind.
Besonders gefällt uns jedoch ein Zitat von ihm: "Das Herzstück einer guten Beratung ist die Einsicht, dass kein Berater genug ... weiß, um konkrete Ratschläge zu erteilen. ... Was er sagt, ist immer irgendwie falsch, es sollte aber mindestens so falsch sein, dass es einen Manager dazu bringt, noch einmal neu darüber nachzudenken, was er eigentlich tut." (ke)
6. Frisch gelesen (II): "Das kollegial geführte Unternehmen. Ideen und Praktiken für die agile Organisation von morgen."

Klar, pragmatisch und durchdacht. So liest sich das gerade erschienene Buch "Das kollegial geführte Unternehmen" von Bernd Oestereich und Claudia Schröder. Sie beschreiben so konkret wie möglich und mit viel eigener Erfahrung im Rücken wie man Führungsarbeit in Organisationen dynamischer und dezentraler verteilen kann. Dazu gehören eine belastbare soziale Architektur, neue Prozesse (besonders bzgl. Entscheidungen und Reflexion) und die dafür notwendigen (neuen) Rollen. Sie widmen sich somit implizit den metatheoretischen Leitprozessen "Entscheider" und "Vernetzung". Gerahmt wird dies von Kapiteln über das dafür notwendige neue Denken. Denn immerhin geht es beim Aufbau eines kollegial geführten Unternehmen um einen Paradigmenwechsel, für den die innere Landkarte meist komplett ausgetauscht werden muss. Ein reichhaltiges Buch - das naturgemäß nur eines nicht verraten kann: Ob kollegiale Führung überhaupt ein sinnvolles Konzept für die eigene Organisation sein kann. An dieser Stelle kann die Metatheorie der Veränderung als Denk- und Entscheidungsrahmen weiterhelfen. (kib)
7. Termine: Zukunftsperspektiven

Wie sehen die Organisationen der Zukunft aus? Inspiration dazu findet man derzeit auf vielen Change-, OE- und Digital-Kongressen. Unsere Favoriten der nächsten Monate:

> Auf der elften republica steht wie immer das Thema Digitalisierung im Vordergrund. Im Programm "Business und Work" geht es u.a. um die Zukunft der Arbeit, um Fin Techs, datengetriebene HR und "Entrepreneurial Organizations" (8.-10.5., Berlin, re-publica.com).

> Einen digitalen Schwerpunkt hat auch der "Change IT - Digital Work Day". Die erste Veranstaltung der im IT-Bereich sehr bekannten Heise Gruppe findet in der Wolkenburg, einem ehemaligem Benediktinerinnen-Kloster statt. Auf der Agenda stehen Fragen wie: "Welche neuen Freiräume, Chancen und Verantwortlichkeiten kommen auf die Mitarbeiter zu? Wie ändert sich Führungsarbeit, wie sieht die Führungskraft der Zukunft aus? Und: Wie muss HR sich ändern? (27. Juni, Köln, www.heise-events.de/change-it).

> Klösterlich geht es auch bei der Wirtschaftswoche zu. Sie veranstaltet mit "The Year of the X", ein Event im Zen-Kloster. Dort geht es um "Mindful Leadership in the Digital Age", versprochen wird ein lebendiges Retreat mit internationalen Business-Leadern, Lagerfeuer inklusive (13./14. Juni, Zen-Kloster Buchenberg, http://alwaysohmmm.com). 

> Wir könn(t)en auch anders! hieß 2015 der erste Kongress des isi, Institut für systemische Beratung in Zürich zur Zukunft der Arbeit. Dieses Jahr will man weiterdenken und den Metaperspektiven von Globalisierung und Digitalisierung die individuelle Perspektive von Veränderung gegenüber stellen; so geht es z.B. um den Umgang mit Grundbedürfnissen und Vertrauen. Mit dabei im Sinne eines „reflecting team“ und als strukturierende Begleiter: Barbara Heitger und Wolfgang Looss (12./13. Juni, Zürich, http://systemische-impulse.ch/agenda/kurs/kurs/details/arbeit-wir-koennten-auch-anders-wir-denken-weiter). (kib)
8. Zu guter Letzt...

... ein Text von Gertrude Wilkinson, der die Vergangenheit aus der eigenen Zukunft betrachtet. Eine gute Übung, wie wir finden:
 
EIN ZWEITES MAL
Könnte ich mein Leben noch einmal von vorn beginnen,
würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen.
Ich würde alberner sein, würde ganz locker werden, nur noch ganz wenige Dinge ernst nehmen.
Ich würde entschieden verrückter sein und weniger reinlich.
Ich würde mehr Gelegenheiten beim Schopf ergreifen und öfter auf Reisen gehen.
Ich würde mehr Berge ersteigen, mehr Flüsse durchschwimmen und mehr
Sonnenaufgänge auf mich wirken lassen.
Ich würde mehr Schuhsohlen durchlaufen, mehr Eis und weniger Bohnen essen.
Ich würde mehr echte Probleme und weniger eingebildete Nöte haben.
Wie Sie bemerkt haben werden, bin ich eine von denen, die vorsorglich, vernünftig
und gesund leben, Stunde für Stunde, Tag für Tag.
Nun, ich habe meine verrückten Augenblicke,
aber wenn ich noch einmal von vorn anfangen könnte,
würde ich mehr verrückte Augenblicke haben - genau gesagt:
Augenblicke, einen nach dem anderen, und nichts mehr von Plänen zehn Jahre voraus.
Wissen Sie, ich bin eine von denen, die für alle Fälle Thermometer, Wärmflasche,
Gurgelwasser, Regenmantel und Fallschirm bei sich haben.
Hätte ich ein zweites Leben, ich würde sie zuhause lassen.
Könnte ich mein Leben noch einmal von vorn beginnen,
ich würde in aller Herrgottsfrühe barfuß in den Frühlingsmorgen laufen
und als letzte sagen: Jetzt ist der Herbst dahin. 
 
Damit viele Grüße in den nun hoffentlich bald wärmeren Frühling

Kirsten Brühl (kib) und Klaus Eidenschink (ke).
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