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März 2017
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Spur eines in Sobibor gefundenen Anhängers führt zu jüdischem Mädchen aus Frankfurt

Foto: Yoram Haimi, Israelische Antikenbehörde 
Mit Hilfe ihrer Datenbank, die die Deportationslisten der Judenverfolgung zusammenführt, glaubt die israelische Gedenkstätte Yad Vashem, die jugendliche Eigentümerin des abgebildeten Anhängers identifiziert zu haben. Das Schmuckstück wurde vor kurzem bei einer archäologischen Grabung auf dem Gelände des Todeslagers Sobibor entdeckt.
Karolines Geschichte rekonstruieren
Zur Geburt ihrer Tochter Karoline am 3. Juli 1929 in Frankfurt, hatten Else und Richard Cohn einen Halskettenanhänger anfertigen lassen. Auf der einen Seite befindet sich der hebräische Schriftzug für "Mazal Tov" (viel Glück) und das Geburtsdatum, auf der anderen Seite der hebräische Buchstabe Hey, ein Kürzel für den Namen Gottes, sowie drei Davidsterne.

Der Anhänger lag mehr als 70 Jahre lang unter den Ruinen einer Hütte im Todeslager Sobibor verborgen, wo die weiblichen Häftlinge sich entkleiden mussten und ihnen die Haare abrasiert wurden, bevor sie in die Gaskammer geschickt wurden. 

Ende 2016 wurde der Anhänger bei archäologischen Ausgrabungen in Sobibor entdeckt. Der israelische Archäologe Yoram Haimi und sein polnischer Kollege Wojciech Mazurek haben über sieben Jahre lang in Sobibor die Ruinen des Todeslagers ergraben, in den ersten Jahren zunächst auf eigene Initiative. Über die archäologischen Grabungen in Sobibor, die 2014 zur Entdeckung der Fundamente der Gaskammern auf dem Lagergelände führten, wurde mit Unterstützung der Claims Conference ein Film gedreht.
Sehen Sie ein Video über die Entdeckung des Anhängers und die Ausgrabungen in Sobibor.
Yad Vashem half bei der Aufklärung
Die jugendliche Eigentümerin des Anhängers konnte mit Hilfe der Yad Vashem-Datenbank, die die nationalsozialistischen Deportations- und Transportlisten zusammenführt, identifiziert werden. Mit dem Geburtsdatum und der Herkunftsbezeichnung „FRANKFURT A.M.“ konnte anhand der Deportationslisten die Identität von Karoline Cohn als Eigentümerin des Anhängers identifiziert werden. Karoline hatte mit ihrer Familie in der Thomasiusstraße im Frankfurter Nordend gelebt.
 
Die Deportationen der Frankfurter Juden erfolgten von der Großmarkthalle aus, die mit dem Schienennetz der Reichsbahn verbunden war. Auf dem Gelände befindet sich heute die Europäische Zentralbank. 
Die Frankfurter Großmarkthalle, um 1930 http://www.lagis-hessen.de Aus: Gottwald / Schulle, Judendeportationen S. 107. Original: Institut für Stadtgeschichte, Frankfurt
Tragisches Ende in Sobibor
Karoline Cohn und ihre Familie wurden mit dem Transport vom 11. November 1941 in das Ghetto Minsk deportiert. Das Ghetto Minsk wurde im September 1943 liquidiert und die 2.000 Juden, die dort inhaftiert waren, wurden in den sicheren Tod nach Sobibor geschickt. 
 
Es ließ sich bisher nicht ermitteln, ob Karoline das Ghetto überlebt hat und ihren Anhänger auf dem Weg in die Gaskammer ablegen musste oder ob er von einer anderen Person ins Todeslager gebracht wurde.

Die Geschichte von Karoline Cohn, die bei der Deportation aus Frankfurt erst zwölf Jahre alt war, berührt umso mehr, als auch die aus Frankfurt stammende Anne Frank einen identischen Anhänger mit ihrem Geburtsdatum besaß. Offenbar handelte es sich um einen vorgefertigtes Schmuckstück, das durch die Eingravierung des Geburtsdatums individualisiert wurde. Anne und Karoline waren im gleichen Alter. Die Forscher in Yad Vashem suchen deshalb nach möglichen Verbindungen zwischen den Familien Cohn und Frank und wollen den kurzen Lebensweg von Karoline zu rekonstruieren.
 
Die Claims Conference wird für Karoline Cohn die Verlegung eines Stolpersteins in Auftrag geben. Die hierfür erforderlichen Hintergrundinformationen sollen von Frankfurter Schülerinnen und Schülern erarbeitet und zusammengetragen werden. Die in Frankfurt ansässige Bildungsstätte Anne Frank wird das Projekt pädagogisch begleiten.

„Die Suche nach Spuren der Ermordeten führt die Schülerinnen und Schüler sehr nah an den Menschen und die besonderen Umstände seiner Verfolgung heran“, erläuterte Dr. Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank. „Dadurch entsteht ein hoher Grad der Identifikation mit dem Opfer“, so Mendel weiter. „Die Yad Vashem Datenbank, aber auch die lokalen Archive bilden den wichtigsten Zugang bei der Spurensuche.“ Die Einrichtung der Datenbank wurde mit Mitteln der Claims Conference Nachfolgeorganisation finanziert.
Erinnern heißt, den Ermordeten Namen und Gesicht geben
Karoline Cohns Anhänger führt uns vor Augen, dass hinter der Zahl von sechs Millionen ermorderter jüdischer Kinder, Frauen und Männer individuelle Einzelschicksale stehen. Yad Vashem bedeutet auf Deutsch Denkmal und Name. Damit unterstreicht die Gedenkstätte, wie wichtig es ist, jedem einzelnen Opfer seinen Namen und seine Geschichte zurückzugeben. Bis heute hat Yad Vashem durch die umfassende Zusammenführung von Archivalien und Informationen mehr als vier Millionen Holocaust-Opfer namentlich erfassen können.
Die Erschließung von Archiven und spezifischen Dokumenten ist ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungs- und Bildungsarbeit. Erinnern heißt, den Ermordeten ein Gesicht zu geben, so wie wir es für Karoline Cohn tun wollen, die ein unvorstellbar grausamer Tod so jung aus dem Leben gerissen hat. Als ihre liebenden Eltern den Anhänger für die kleine Karoline anfertigen ließen, lag es vollkommen außerhalb der Reichweite ihrer Vorstellungskraft, welch furchtbares Schicksal ihre Tochter einmal erwarten würde. Erst die Verknüpfung des Fundes mit den aufgezeichneten Informationen über ihre Eigentümerin ermöglicht es uns, uns an Karolines Namen zu erinnern und ihre Geschichte zu bewahren.

Julius Berman 
President
Greg Schneider
Executive Vice President
Ruediger Mahlo
Repräsentant in Deutschland

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