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April 2017
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Foto: Rafael Herlich

Auschwitz-Überlebende Eva Szepesi erhält Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main

Am gestrigen Mittwoch erhielt Eva Szepesi aus den Händen von Oberbürgermeister Peter Feldmann die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main. Sie wird mit dieser hohen Auszeichnung für ihr Engagement als Zeitzeugin des Holocaust geehrt. Immer wieder berichtet sie in Schulklassen in ganz Deutschland von ihrer Verfolgung durch Nazi-Deutschland und seine verbündeten Staaten.
Diese besondere Ehrung erhalte ich, weil ich über meine Geschichte berichte, meine Geschichte, die ich lieber nicht erlebt hätte. Es ist jedoch meine Pflicht für diejenigen zu sprechen, die nicht überlebt haben“, erläuterte Frau Szepesi ihre Motivation. 
A 26877 – so lautet die Nummer, die der 12-jährigen Eva Diamant am
2. November 1944 auf den linken Arm tätowiert wurde. An jenem dunklen Novembertag kommt Eva Diamant nach endloser Fahrt im überfüllten Viehwaggon halb verhungert und verdurstet, übermüdet und verzweifelt in Auschwitz an. Sie muss sich ihrer Kleidung entledigen, wird geschoren, tätowiert und in Häftlingskleidung gesteckt. Das Abschneiden ihrer schönen Zöpfe prägt sich der Zwölfjährigen als besonders traumatischer Gewaltakt tief ein. Der sofortigen Selektion in die Gaskammern entgeht sie nur, weil sie angibt, 16 Jahre alt zu sein. Das kleine Mädchen Eva aus Budapest hat aufgehört zu existieren, es gibt nur noch die KZ-Insassin mit der Häftlingsnummer A 26877.
Eva Szepesi mit ihrem Jugendbild.
Foto: Marco Limberg
Sichtbar ist die Nummer auf dem Unterarm von Eva Szepesi bis zum heutigen Tag, so wie die Gräuel der NS-Verfolgung und der Verlust ihrer Familie sie bis heute verfolgen: „Meine Kinder und Enkelkinder helfen mir heute ein wenig über meine Trauer hinweg, denn die Vergangenheit lastet immer noch schwer auf mir. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht meinen Vater, meine Mutter und meinen Bruder vermisse.
Ich bewundere Sie für Ihre Vitalität, für Ihre Bereitschaft, sich immer wieder aufs Neue den Fragen zu stellen. Sie leisten wertvolle Erinnerungsarbeit in Schulen und Kirchengemeinden gegen das Vergessen“, sagte Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann.
Oberbürgermeister Peter Feldmann und Eva Szepesi mit der Urkunde und der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main.
Foto: Rafael Herlich
1932 kommt Eva als Tochter der Eheleute Diamant in Budapest zur Welt. Ihr Vater verdient als Herrenausstatter den Lebensunterhalt der kleinen Familie, zu der auch der jüngere Bruder Tamás gehört. Die unbeschwerte Kindheit endet 1938 mit den ersten antijüdischen Gesetzgebungen der ungarischen Regierung. Die Situation für die jüdische Bevölkerung in Ungarn verschärft sich zusehends mit der deutschen Besetzung Ungarns im März 1944 und dem Aufstand der Pfeilkreuzler im Oktober 1944.
 
Video: ARD Mediathek Holocaust: Eine Zeitzeugin berichtet
Um sie dem Zugriff der NS-Schergen zu entziehen, schicken die Eltern Eva im April 1944 mit falschen Papieren zu Verwandten in die Slowakei. Dort wird sie im September 1944 aufgegriffen und nach mehreren Stationen der Internierung Ende Oktober auf den Transport nach Auschwitz geschickt. Wie durch ein Wunder überlebt sie. Dem Tode näher als dem Leben, wird sie nicht auf den Todesmarsch geschickt. Ihre Befreiung durch die Rote Armee erlebt sie im Dämmerzustand. Gepflegt und versorgt vom Internationalen Roten Kreuz geht sie im September 1945 zurück nach Budapest. Hier erfährt sie, dass ihre gesamte Familie in Auschwitz ermordet wurde.
Zahlreiche Frankfurter, Familienmitglieder und Freunde waren bei der Ehrung im Kaisersaal im Frankfurter Römer dabei.
Foto: Rafael Herlich
1951 heiratet sie ihre große Liebe Andor Szepesi. Mit ihm und der in Ungarn geborenen Tochter Judith geht sie aus beruflichen Gründen 1954 nach Deutschland. In Frankfurt am Main schenkt sie ihrer jüngeren Tochter Anita das Leben. Seit vielen Jahren lebt Eva Szepesi jetzt im Frankfurter Stadtteil Dornbusch, der ihr im Laufe der Jahre wenn nicht zur Heimat, so doch zu einem Zuhause geworden ist. 

Seit 1999 erhält Frau Szepesi eine monatliche Zuwendung aus dem Artikel 2-Fonds der Claims Conference und wurde auch im Child Survivor Fund anerkannt. Aus den Fonds können Schwerstverfolgte des Holocaust Leistungen erhalten, die im KZ oder Ghetto inhaftiert waren oder im Versteck oder in der Illegalität überlebt haben.
Eva Szepesi zusammen mit ihren Töchtern Judith und Anita, dem Schwiegersohn, Enkel und Urenkel sowie OB Feldmann und Rabbiner Soussan.
Foto: Rafael Herlich
Alles, was ihr von ihrer Familie geblieben ist, ist ein Karton mit Fotografien, die sie wie einen Schatz hütet. Zum 50sten Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, 1995, ist Eva Szepesi erstmals wieder in Auschwitz gewesen. Dort hat sie auch zum ersten Mal über ihre Verfolgung und die entmenschlichten Zustände im Konzentrations- und Vernichtungslager gesprochen. Damals in Auschwitz haben ihre Worte den Damm gebrochen, denn heute geht Frau Szepesi als Zeitzeugin in Schulen. Sie ist immer wieder aufs Neue beeindruckt, welche Wirkung ihr Bericht auf die jungen Menschen hat und wie nahe sie ihnen kommt. Auch mit ihren Enkelkindern kann sie, anders als mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern, ausführlicher über das Erlebte sprechen.


Eva Szepesi:
Ein Mädchen allein auf der Flucht - Ungarn - Slowakei - Polen (1944-1945)
Bibliothek der Erinnerung, Band 22;
Metropol Verlag Berlin, 2011.
Wir wissen, was es für Überlebende bedeutet, wenn sie als Zeitzeugen berichten und sich mental in die schlimmste Zeit ihres Lebens zurückversetzen. Die Zahl der Überlebenden, die noch als Zeitzeugen berichten können, wird immer kleiner. Gerade angesichts des weltweit wachsenden Antisemitismus kommt den Berichten der Überlebenden größte Bedeutung zu.

Wir können Eva Szepesi nicht genug danken, dass sie diese Mühen auf sich nimmt. Mit ihrer Zeitzeugenschaft erweist sie gerade den nachgeborenen Generationen unschätzbare Dienste. Zu ihrer hohen Auszeichnung mit der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt durch Oberbürgermeister Peter Feldmann gratulieren wir Eva Szepesi von Herzen.
 
Julius Berman 
President
Greg Schneider
Executive Vice President
Ruediger Mahlo
Repräsentant der Claims Conference in Deutschland

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