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Gedanken zur Wolfsdebatte - und Protest in Salzburg!!!
„Welche Lehren könnten wir aus der Geschichte ziehen, wenn der Mensch nur daraus lernen wollte! Aber Leidenschaft und Partei machen uns blind, und das Licht der Erfahrung ist eine Laterne am Heck, die nur auf die Wellen hinter uns scheint!“ (Samuel Taylor Coleridge).
Gestern trafen sich RespekTiere-AktivistInnen, um gegen die Forderungen zum Wolfsbschuß zu protestieren!
Bitte lesen Sie die Hintergründe, welche zu der Kundgebung geführt haben!!!


Es ist einfach nur unfassbar – kaum scheint der Wolf zurückgekehrt nach Österreich, über 125 Jahre nach seinem Verschwinden, schreit man schon wieder aus verschiedenen Lagern nach seinem ‚Abschuss‘! Seit 1892 gilt die Art in unserem Land als ausgestorben (wobei ‚ausgestorben‘ wohl der falsche Ausdruck ist, denn er impliziert nicht den Grund des Verschwindens; ‚ausgerottet‘ muss es dann heißen, verfolgt, vergiftet, niedergeschossen), und als um 2009 erste Berichte von neuen Wolfssichtungen in der Republik auftauchten, war die Reaktion auf das langsame Wieder-Erscheinen Isegrims zuerst noch fast euphorisch.
Nur, warum auch sollte es dieses Mal anders sein, die anfängliche, vorsichtige Euphorie hat sich längst und schnell wieder gelegt; trotz Artenschutzbestimmungen, trotz Verpflichtung zum Natur- und Umweltschutz, ja, trotz Tierschutz als Staatsziel, wissen so viele Menschen vom einfachen Bauern bis hin zu obersten Politbonzen im wunderschönen Österreich – das sich so gerne als, selbstredend durch und durch naturschützendes Tierschutz-Vorzeigeland gibt - erneut nicht mit den Zeichen der Zeit umzugehen! Als wäre sie stillgestanden, reagiert man genauso wie man es schon im Mittelalter tat – mit völlig übertriebener Panikmache; und die Folge daraus führt ohne Frage einmal mehr direkt in den einfachsten Weg, den Weg der bedingungslosen Gewalt, der vermeintlichen Männlichkeit, der Möglichkeit zur Profilierung auf Kosten der Geschöpfe, der Phrasendrescherei, der Ignoranz; alternative Ideen zum geplanten Morden? Fehlanzeige.

 
Foto: aus einer Auslandsjagd-'Werbebroschüre' auf der Hohen Jagd in Salzburg - lassen wir so etwas nicht mehr zu!

Hat man aus der Geschichte wirklich nichts gelernt? Am Beispiel des Artenschutzes ist die Frage leider äußerst einfach zu beantworten: alles andere als ein klares ‚Nein‘ wäre nämlich eine schlichte, erbärmliche und vorsätzliche Täuschung! Wie wir auf eine derart niederschmetternde Antwort kommen? Der Biber ist zurück – und muss schon wieder weg, zumindest teilweise! Der Otter kommt retour – Gift und Galle wird gespuckt – möchte Sie wetten, es wird ihn bei uns nicht lange geben?! Der Bär versucht seit Jahren ein Comeback: chancenlos! Fast alle der wunderbaren Tiere, mühevollst ‚re-naturiert‘, einfach ins Nirgendwo entführt, auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Manche davon sind allerdings dann auch wieder aufgetaucht - ausgestopft in versteckten Jagdhütten! Die Jägerschaft wäscht ihre blutbefleckten Hände in Unschuld, wie sie es immer tut; dazwischen irgendwo ein dümmliches Grinsen, wenn ein Kretin seine verlorene Männlichkeit mit Hilfe seiner Waffe wiederhergestellt zu haben glaubt; allerdings, er vergisst dabei, größer wird sein Geschlechtsteil durch den tödlichen Schuss auch nicht, und dasselbe gilt natürlich fürs Gehirn. Weitere Beispiele in einer beschämenden Historie? Das Ziesel kämpft ums Überleben – Hilfestellung von Seiten der Politik: Fehlanzeige! Von Seiten vieler Landwirte: da wird sie todsicher gewährt! Rabenvögel stehen unter Schutz – die Abschusszahlen gehen trotzdem wieder in die Zehntausende! Der Luchs versucht ansässig zu werden: erfolglos! Auch hier sind fast alle ausgesetzten Exemplare verschwunden, einige wiederaufgetaucht – ebenfalls als bloße Trophäen in Jagdhütten, und auch in Kühltruhen der Jägersmänner und –frauen – Mordmanns Heil!
Und jetzt der Wolf – wir alle wissen, er hat in Wahrheit, bei allen Versuchen die Tatsachen schönzureden, in einem Land wie dem unseren – so niederschmetternd das auch ist - auf Dauer kaum den Funken einer Chance! Ewiggestrige und Trophäengeile laden schon ihre Gewehre, und pure Tötungslust ist ihr Antrieb. Ja, sie verstecken ihre Steinzeitmenschengefühle hinter Schlagworten, Hetze ist das ihre, und wir möchten gar nicht wiederholen was da Dümmliches aus eigentlich ganz klugen Köpfen kommt; nur alleine zu wissen, dass man in einer modernen Gesellschaft, die sich ihrerseits immer weiter ausbreitet und an allem und jedem schmarotzt, anscheinend keine Möglichkeit findet, ein paar Tiere, welche schon Jahrtausende vor uns das Land besiedelt hatten, zu integrieren, muss einen nachdenklichen Menschen schon die Schamesröte ins Gesicht treiben!
 
Foto: auch das weibliche Geschlecht ist offensichtlich nicht immun gegen den erbärmlichen Virus des Lustmordes...
 
Ja, es gibt Berichte von gerissenen Schafen auf den Weiden; und ja, wir wissen, so etwas kann ein Blutbad sein. Bei aller Vorverurteilung des Wolfes sollte jedoch nicht vergessen werden, haben Sie überlegt, was die Schafe ‚auf natürlichem Weg‘ ansonsten erwartet? Der Schlachthof ist es, wo unweigerlich – egal welch mehr oder weniger schönes Leben sie davor hatten - vom Einfangen über den Transport bis zum Bolzenschuss ein einziges Martyrium auf die armen Tiere zukommt. Deshalb verwundern die in den letzten Wochen so oft gehörten Aussagen von Landwirten doch ein wenig, wenn sie uns weißzumachen versuchen, wie sehr sie doch darunter leiden, wenn sie tote Schafe auf den Weiden finden. Natürlich wollen wir ihre Gefühle nicht in Frage stellen, und bestimmt ist der Anblick totgebissener Tiere ein herzzerreißender, furchtbarer, aber jemand, der seine Schützlinge letztendlich spätestens am Weg in den Schlachthof bitter verrät, möchte doch tatsächlich behaupten, es wäre emotional so viel schlimmer sein totes Schaf auf der Wiese zu sehen als sein totes Schaf in die Hölle des Schlachthofes auszuliefern? Jedermann/frau versteht die Problematik, aber warum kann man die nicht benennen, so wie sie ist? Dass ein wirtschaftlicher Schaden entstand, dass man jetzt wohl auch noch investieren sollte, um seine Schützlinge auch wirklich zu schützen, dass einem der Anblick getöteter Tiere auf der Weide selbstredend nahegeht? Warum aber muss die Gefühlsebenenschienen überstrapaziert werden, bis hin zur Unglaubwürdigkeit? ‚Ich liebe meine Tiere‘, spricht so mancher Bauer, und es wäre schön, wenn dem auch tatsächlich so wäre; dann würde nämlich das unsagbare Töten in den Schlachthöfen bald der Vergangenheit angehören! Denn ganz ehrlich, kann man jemanden lieben und ihn/sie dann trotzdem in Folge unweigerlich zum Schlachthaus karren? Is! t so etw as tatsächlich möglich, ohne an Schizophrenie zu leiden? Warum sagt man nicht ‚ich mag meine Tiere‘, was wesentlich legitimer wäre; vielleicht, weil der Satz andersrum wesentlich besser in eine längst verblasste Bauerhofromantik passt, KundInnen so etwas nun mal gerne hören?
Aber zurück zur eigentlichen Thematik: Der Tiroler Bauer Christian Ilmer etwa, er hatte vor wenigen Monaten sechs Schafe verloren, erzählte der ‚Krone‘ passend dazu seine Geschichte. ‚Ein Wolf hat sie gerissen‘. Der rein materielle Schaden, betonte das Nachrichtenblatt, wurde ihm unbürokratisch abgegolten, ‚aber nur ein Bauer kann nachvollziehen, was es heißt, ein Stück Vieh zu verlieren‘, schlussfolgerte Bauer Ilmer. Dieselbe Frage stellt sich an dieser Stelle erneut – wo liegt der große Unterschied für ihn, ob sein ‚Stück Vieh‘ (man beachte die Wortwahl!) vom Wolf oder vom Metzger getötet wird? Beides endet im Blutbad, beides im unweigerlichen Tod, für beides kriegt er bezahlt. Nur dem Fleischer bringt er ‚das Stück Vieh‘ freiwillig, und hunderte Male öfters…
Über die tatsächlichen Regungen von Landwirten mögen wir uns vielleicht nicht ganz im Klaren sein, aber wie wird es für das Schaf selbst aussehen? Eines ist klar, kein Wesen mag sterben müssen; aber wie auch immer, soweit man die Sachlage nachvollziehen kann, ist der Angriff des Wolfes ein überraschender, schneller, ein solcher, der den Körper und den Geist des Beutetieres lähmt; der Tod im Schlachthaus dagegen ist ein langwieriger – vielleicht nicht (in jedem Falle) das Sterben selbst, aber bis es soweit ist; denn Todesangst begleitet die Tiere über Stunden hinweg, wohl schon während des Transportes erahnen sie die Endgültigkeit der Situation; erst recht im Schlachthaus, wo der Gestank nach Tod und Blut über allem liegt. Und nochmals, Fakt ist, die Wahrscheinlichkeit des gewaltsamen Todes durch den Wolf ist eine, wir werden es später lesen, 0,01 %ige; zu Sterben durch die Hand des Metzgers im Vergleich dazu eine nahezu 100%ige.
 
Fotos: Schafe beim Metzger - auch keine appetitliche Angelegenheit... schon gar nicht, wenn besagte Landwirte dann ihre Tiere auch dorthin verkaufen, wo man weiß, dass sie ohne jede Betäubung getötet werden (Bilder unten); aber das tut bestimmt niemand, der sich über den Wolf beschwert!
 
Verstehen Sie uns an dieser Stelle bitte nicht falsch, natürlich muss es ein Schock für die Tierhalter sein, von Wölfen getötete Schafe auf der Weide zu finden; ohne jede Frage. Aber dann so zu tun, als wäre man selbst der beste Freund der Tiere, ein jemand, der diesen ein wundervolles Leben unter allem Schutz und mit aller Liebe gewährleistet, kann nur sehr beschränkt gelten. Denn auch für den Landwirten und die Landwirtin sind die Tiere zuallererst nichts anderes als ein lebender Fleischvorrat, ein Kapital, das man mit Euro bewertet, es bestenfalls respektiert, aber schon alleine zum Selbstschutz wohl nicht lieben kann. Denn, nochmals, wer von uns würde das, was er/sie vom Herzen liebt, in einen Schlachthof karren?
Deshalb darf es nicht verwundern, dass, wenn ein Schafhalter davon spricht, welch ein Schock getötete Schafe für ihn bedeuten und wie leid sie ihm denn täten, dies wohl für ihn im Moment so sein mag, eine solche Empfindung jedoch für Außenstehende unter näherer Betrachtung dennoch nicht ganz schlüssig erklärbar ist; denn wenn der Tod seiner Schützlinge solche Gefühlsregungen hervorruft, dann müsste er die Tierhaltung längst aufgeben, alleine der Empfindungen wegen längst aufgeben MÜSSEN, weil er doch alle seine Tiere einem schrecklichen Ende ausliefert. Wenn einem der Tod derart nahegeht, dann nimmt man ihn nicht immer und immer wieder von selbst in Kauf.
Was aber ebenfalls bemerkenswert ist: jetzt gibt es einen Aufschrei in unserem Land, als ob abertausende Tiere von den Wölfen in den Bergen gerissen worden wären; tatsächlich handelt es sich dabei um höchstens ein paar Dutzend, im Jahre 2017 etwa um weniger als 20 Tiere. Die im Augenblick vermehrten Fälle in Salzburg geben so manchen die Möglichkeit, das Interesse an seiner Person, welches wohl ein vergilbendes ist, erneut polieren zu versuchen, denn wenn mit polemischen Reden der Volkszorn geschürt wird, ist dies ein Agieren aus unterster Schublade. Wie gesagt, so weit haben wir uns aus dem Mittelalter nicht entfernt, denn damals wie heute wird – wenn nun auch nicht ganz so direkt, wird fast unverblümt sogar zur Selbstjustiz aufgerufen (erinnern wir uns, schon 2016 nahm der damalige Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter, natürlich von der ÖVP, an einer Podiumsdiskussion anlässlich des ‚Pinzgauer Bauerntags‘ im Salzburger Pinzgau teil und propagierte dort trotz der nationalen und europäischen Artenschutzgesetze unmissverständlich den Abschuss von Wölfen; ‚Ich bin sogar bereit, selbst eine Jagdkarte zu lösen‘, wurde der Minister zitiert)!   Dabei steht es ja noch nicht einmal fest, ob die gerissenen Schafe tatsächlich allesamt von Wölfen getötet worden sind – vielleicht waren es auch streunende Hunde. Aber selbst eine solche Überlegung tut dem Halali-Blasen keinen Abbruch – der Wolf muss weg! Er hat in unserer Kulturlandschaft nichts mehr verloren, so hören wir. Hexenjagd, wie eh und je! Eine bodenlose Schande, nicht mehr und nicht weniger! 
 
Übrigens, den rund 20 vom Wolf getöteten Schafen stehen rund 250 000 (also mehr als das 12 000-fache) in unseren Schlachthöfen zerstückelten entgegen; auch darüber könnte man nachdenken, finden Sie nicht?
Ein weiteres nicht unwichtiges Argument: auf den Almen Österreichs leben so ca. 200 000 Schafe; weniger als 20 davon wurden im letzten Jahr nachweislich von Wölfen getötet, also weniger als 0,01 %. Die ‚natürliche Todesrate‘, etwa durch Absturz. Blitz- oder Steinschlag, durch Krankheit oder Lawinen, beträgt zwei und mehr Prozent, betrifft demnach mindestens 4 000 Tiere (also um 20 000 % mehr als durch Wölfe ums Leben gekomme, zumindest war das im Jahre 2017 so). Was wir damit sagen möchten, wenn die Wiederkehr des Wolfes nun so hingestellt wird, als ob damit der gesamte Bauernstand in den Alpen in Gefahr geraten würde, dann ist das schlichtweg eine maßlose Übertreibung. Oder eine verantwortungslose Panikmache, wobei wir wieder beim Anfang der Geschichte wären…
Auch interessant: ein kürzlich erschienener Artikel über das ‚Wolfsproblem‘ in der Schweiz beschrieb, wie die EidgenossInnen auf die Problematik reagierten: nämlich mit dem Aufstellen von Weidezäunen, gepaart mit der Anwesenheit von Herdenschutzhunden. Bei uns, wir wären nicht in Österreich, wird eine dahingehende Diskussion schon im vornhinein abgewürgt, aus diesen und jenen vorgeschobenen, kleinkarierten Gründen. Bevor wir jetzt aber auf das jetzt ganz sicher wieder aufkommende Klagen unserer Bauernschaft eingehen, möchten wir den in der Schweiz gemachten Erfahrungen Tribut zollen; denn tatsächlich steigt das Einkommen der dortigen Bauern durch die Präsenz der Wölfe paradoxerweise nun sogar an, weil nämlich das Aufstellen von Begrenzungen die vorhin angesprochene natürliche Todesrate stark dämmt – jetzt stehen also die Kosten der Zäune sowie die Haltung der Schutzhunde den deutlich geringeren Mortalitätszahlen gegenüber, wobei die Landwirte unterm Strich positiv bilanzieren! Ich vergleiche die Situation hier in Österreich gerne mit jener vor dem Verbot der Legebatterien; damals beschwörten die Hühnerbarone das Ende der Ei-Wirtschaft in Österreich, faselten davon, dass künftig Eier wohl nur mehr aus dem ach so tierschutzfeindlichen Ausland – der Osten wird hier gerne für Polemik missbraucht – kommen würden; heute allerdings weiß man, welch Irrtum diese düsteren Weissagungen waren! Nun ist es völlig selbstverständlich, dass kein Ei aus einer Legebatterie mehr in den Verkauf oder auf den Tisch kommt (na ja, so ganz stimmt das leider auch nicht; noch immer stammt ein Großteil der Eier in Fertiggerichten aus der Legebatterie, auch wenn diese dann nicht in Österreich steht). Und nun, selts! amerweis e, ist die Geflügelindustrie durchaus stolz auf die Entwicklung, beweihräuchert sich gar ein bisschen selbst, indem sie versucht den Eindruck zu erwecken, als hätte SIE damals die Umstellung von sich aus vollzogen, aus Gewissensgründen vielleicht, gepaart mit dem Tribut an ein neues Kundenbedürfnis. Nehmen sie uns beim Wort, hätte der Tierschutz damals nicht so vehement agiert, Legebatterien wären heute noch gang und gäbe. Überhaupt keine Frage! Und die Hühnerbarone, sie haben am wenigsten zum neuen Selbstverständnis der Ächtung von Batteriehaltung beigetragen, so viel steht ebenfalls fest!
 

Fotos: oder wollen wir den Wolf nur mehr so sehen - im Kerker der Zoos?

Für das große Jammern sind wir ÖsterreicherInnen ja weithin bekannt, auch für die Schwierigkeiten, welche es uns bereitet, nicht vorhergesehene Situationen anzunehmen, die Gewohntes einfach durcheinanderbringen; andererseits aber, wenn wir uns dann doch  einlassen, dann gehen uns die neuen Gegebenheiten schnell in Fleisch und Blut über, und letztendlich machen wir die Aufgabe wie selbstverständlich, genau wie wenn wir es nie anders getan hätten. Besser oft und nachhaltiger als das anderswo passiert; nur, man muss uns halt immer ein bisschen Zeit lassen – und darf nicht zu viel Druck ausüben, denn sonst verkehrt sich die Angelegenheit schnell ins Gegenteil – so sind wir eben, das ist unsere Mentalität. Im Falle des Wolfes aber, da geht es um ein Überleben, und Isegrim, er hat vieles, aber Zeit, die hat er nicht. Dennoch, in dem Anpassungsvermögen, neue Gegebenheiten nach einer Anlaufzeit so behandeln zu können als wäre sie traditionell immer schon im Volksgewissen verankert gewesen, liegt die wohl einzige Chance für eine dauerhafte Wiederansiedelung; und deshalb sollte schnellstens mit dem Errichten von Zäunen begonnen werden. Zum Schutze der Schafe und zum Schutze der Wölfe!!!
Apropos Weidezäune, apropos ‚raunzendes‘ Österreich: der Salzburger Landesrat Schweiger (natürlich von der ÖVP) meint hierzu, ein solcher müsste mindestens 1,60 Meter hoch sein, mit elektrischen Ritzen versehen und tief im Boden verankert sein, damit er nicht untergraben werden kann (wo ist das Problem zur Bewerkstelligung?); Hirtenhunde ihrerseits wären nur an wenige Menschen und an die Herden gewöhnt, alles andere würden sie als Gefahr sehen. Sie seinen also keine Option für ein Land wie Salzburg, wo viel gewandert wird. Nun haben wir aber das Beispiel ‚Schweiz‘, wo die Gegebenheiten mit jenen in Österreich unzweifelhaft sehr ähnlich sind, ob es sich nun um die kleinstrukturierte Landwirtschaft, die Infrastruktur, die Landschaftsform, den Fremdenverkehr oder um sportliche Aktivität wie etwa Trekking handelt  - oder ist es dann kein Beispiel, weil zum einen die Topographie eine denkbar andere ist, die Schweizer Almen ja mit ihren österreichischen Pedanten nicht vergleich sind, und zum anderen weil dort ja demnach wohl nicht gewandert wird (ist es das, was uns die Politik und die Jägerschaft erzählen möchte?)… wer mag’s verstehen?
Und last but not least meldet sich auch der Salzburger Landesjägermeister  Max Mayr Melnhof, ein emsiger Verteidiger (s)einer Gatterjagd, zu Wort; er antwortete auf die Frage der Salzburger Nachrichten, ob er denn glaube dass weitere Attacken folgen werden (wohlgemerkt, noch immer ist nicht einmal klar, ob besagte Attacken überhaupt dem Wolf zugeschrieben werden müssen – Panikmache, noch bevor Fakten am Tisch sind, würde ein Schelm so etwas nennen) folgendermaßen: ‚Ja, ich geht davon aus, dass weitere Schafe gerissen werden. Der Wolf ist ein reiner Lusttöter.‘ Mit jener Thematik kennt er sich tatsächlich vielleicht ganz gut aus, denn Selbiges sagt man dann auch einer anderen Gruppe gerne nach…
 
Es ist schön, wenn in den Bergen Landwirtschaft betrieben wird, gar keine Frage; aber, ist das Interesse einiger weniger und dann meist Hobby-LandwirtInnen (mehr als 70 % der Salzburger landwirtschaftlichen Betriebe etwa werden im Nebenerwerb geführt) tatsächlich so viel mehr wert als das Überleben einer Tierart? Noch dazu, wo diese unter strengem Artenschutz steht, noch dazu wo Tierschutz in der Verfassung verankert ist? Ja, und wenn etwas passiert, dann sollen Ausgleichszahlungen getätigt werden. Nur so können die betroffenen Landwirte besänftigt, nur so können verhärtete Fronten aufgeweicht werden. Es ist im allgemeinen Interesse, dass der Wolf wieder zu den in Österreich etablierten Tierarten gezählt werden darf, so muss es auch im allgemeinen Interesse liegen, dass ein bestmögliches Auskommen aller involvierten Parteien gewährleistet bleibt (der Gerechtigkeit willen sollte aber auch nicht unerwähnt bleibe, dass es andererseits die Pflicht eines jeden Tierhalters ist, seine Tiere so zu halten, dass diesen bestmöglicher Schutz und Unversehrtheit garantiert ist; deshalb muss es im Umkehrschluss eigentlich auch Pflicht für den Schafbauern sein, seine Schafe ausreichend zu schützen. Wenn nun jener, der die Tiere angeblich bedroht, unter strengem allgemeinen Schutz steht, bleibt hierfür der Weg der Waffengewalt verschlossen. Nicht zuletzt deshalb muss es auch als Ehrensache angesehen werden, entsprechende andere Schutzmaßnahmen zu ergreifen, wobei wir wieder bei den Zäunen sowie Schutzhunden sind. Und nicht automatisch und selbstverständlich muss hier der Steuerzahler oder die Steuerzahlerin einstehen, denn – auch wenn so machen eine solche Aussage nicht passen mag – wenn ich in meinem Garten oder auf meinem Grundstück Tiere halte, mit deren späteren Verkauf ich auch noch Geld verdienen möchte, dann darf es nicht der Allgemeinheit obliegen müssen, für entsprechende Vorkehrungen zu deren Schutz zu sorgen. Dafür bin ich selber zuständig. Wenn ich einen entsprechenden Schutz nicht bewerkstellige, dann dürfte ich im Schadensfall eigentlich nicht bedauert, sondern müsste vielmehr bestraft werden; wie der Autor zum Beispiel, dessen Hund einmal vor dem Reinspringen ins Auto plötzlich die Straße – keine 20 Meter – hinunterlief, weil er dort einen anderen Hund gesehen hatte. Die Halterin dessen beschwerte sich furchtbar, erstattete später gar Anzeige (unfassbar, bis heute so etwas von unverständlich…) wegen des Freilaufens meines Hundes. Warum ich diese Geschichte erwähne? Weil das Amt dann nichts Besseres zu tun hatte, als mir einen schmerzhaften Strafbescheid zuzustellen, wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht meines vierbeinigen Gefährten. Warum, so frage ich mich, sieht die Sache ganz anders aus, wenn es LandwirtInnen betrifft, welche die ihnen überantworteten Tiere in freiem Gelände ohne entsprechende Schutzmaßnahmen laufen lassen?).
Foto: Wölfe sind hochintellegente Mitgeschöpfe; wer je mit ihnen in engeren Kontakt gekommen ist, kann sich ihrer Faszination nicht mehr entziehen!

Es ist tatsächlich so, der Wolf wurde über die Jahrhunderte hinweg als die Bestie schlechthin dargestellt; nicht zuletzt durch diese Verleumdung sollte wohl auch der jahrhundertelange Ausrottungsfeldzug gegen ihn gerechtfertigt werden. Wie er zu diesem schlechten Ruf kommt, ist eine nähere Betrachtung wert. So zum Beispiel gab es in ganz Europa zwischen 1950 und 2000, also innerhalb von 50 Jahren, 59 Fälle vom Wolfsangriffen, wobei 9 Menschen zu Tode kamen – fünf davon durch tollwütige Wölfe. 9 Todesopfer innerhalb von 50 Jahren, in ganz Europa! Die Wahrscheinlichkeit, von einem Wolf angegriffen oder gar getötet zu werden, ist demnach äußert, äußerst, äußerst gering, ja statistisch praktisch gar nicht erfassbar. Warum dennoch manche Menschen einen Wolfsabschuss rechtfertigen würden, weil sie wegen der wenigen sich in Österreich aufhaltenden Wölfe nun Angst um ihre Kinder hätten, ist wohl eine Folge der – und wieder sind wir beim Thema – Panikmache (haben Sie den Satz auch schon mal gehört? ‚Ich finde, die Wölfe, Bären, etc. haben bei uns nichts verloren, denn ich möchte keine Angst haben, wenn ich mit meinen Kindern in den Wald gehe!‘ Wie schrecklich ist denn das, wenn man eine Meinung vertritt, nach welcher alle potentiell gefährlichen Tiere ermordet werden müssten, weil man selbst ein- zweimal im Jahr in (eigentlich) DEREN Umfeld gehen möchte? Nebenbei, meist stammen solche Worte dann auch noch von Menschen, die sowieso nie in Wäldern angetroffen werden; jene, die oft dort verkehren, wissen die vermeintliche Gefahr richtig einzuordnen, verhalten sich sowieso richtig und schätzen eine möglichst große Artenvielfalt)!
Skandalös sind in diesem Zusammenhang auch immer wieder Aussagen von politisch motivierten Personen; stellvertretend für all jene möchten wir hier den Salzburger LK-Präsidenten Franz Eßl zitieren: ‚Ich fühle mich in meiner Forderung nach einem wolfsfreien Alpenraum bestätigt. Ohnehin halte ich den strengen Schutzstatus für ungerechtfertigt, da der Wolf europaweit nicht in seinem Bestand gefährdet ist‘, lesen wir in den Bezirksblättern. Oha, einen wolfsfreien Alpenraum also! Der liebe Herr Eßl möchte nicht nur uns ÖsterreicherInnen vorschreiben, welche Tiere wir dulden sollen, sondern er würde auch gleich die Jagd auf die Wölfe in Italien, der Schweiz oder Frankreich eröffnen - denn vielleicht ist im entgangen, dass die Ausdehnung der Alpen weit über unser Land hinausgeht. Oder meint er etwa, wir sollten die Meinungen anderer AlpenbewohnerInnen bezüglich der Wölfe einfach übergehen, den unsere, obwohl wir ja bisher nicht nur kaum Erfahrungen sondern auch überhaupt kein ‚Wolfsproblem‘ haben, ist sowieso die bessere, einzig richtige. So spricht man, wenn man von einer Klientel abhängig ist, in seinem Falle halt die Bauernschaft; dann redet man dieser nach dem Mund, weil so etwas wie einen Po (oder andere Körperteile) in der Hose zu haben, das hat für so machen wahrlich wenig bis gar keinen Stellenwert. Ja, und der Schutzstatus, das ist so eine Sache. Typisch kleinkariert, Tierschutz ja, aber weit weg! Vor der eigenen Haustüre? Kein Interesse! Ja, pferchen wir alle Wölfe zusammen, am besten irgendwohin im Osten – und wenn dort ein Problem auftritt und ein Wolf erschossen wird, dann fallen wir ein ins gemeinsame Beschimpfen der hiesigen Leute, die ja ‚vom Tierschutz keine Ahnung haben‘! So einfach ist das für eine Politseele, die keinerlei Verantwortung für die Mitgeschöpfe zeigt!
 
An dieser Stelle muss aber auch noch ein gewisser Dip.-Ing. namens Erwin Pröll, seines Zeichens Landesjägermeister von Niederösterreich und politischer Ziehsohn des ‚großen‘ Onkels Dr. Erwin Pröll (dessen Fußstapfen ihn immer um eine Unendlichkeit zu groß waren), genannt werden; „Der Wolf hat in Niederösterreich keinen Platz. Die Meinung des Landesjagdverbandes ist klar: Wir brauchen den Wolf nicht“, sprach er da beim Landesjägertag in Tulln. Weiters meinte der gute Mann, dem wir ganz nebenbei in seiner einstigen Funktion als Finanzminister der Republik das Hypodesaster um die Zwangsverstaatlichung unter exorbitanten Kosten für die Steuerzahler mit-verdanken, es wäre ‚demokratiepolitisch auf Dauer schwer erklärbar, dass ‚eine radikale Minderheit von Tierrechts-Aktivisten‘ die öffentliche Debatte einseitig beherrscht und so versuche, die Politik vor sich herzutreiben.‘ Wie oft haben wir solche Worte nun schon gehört? ‚Radikal‘ bewusst eingesetzt, und ‚radikal‘ ist für solche Menschen jedermann/frau, der/die nicht zu 100% deren Meinung übernimmt; wissen wir spätestens seit dem Tierrechtsprozess nur zu gut! Der Meinung der ‚radikale Minderheit‘ hat sich nun aber bestimmt ein Großteil der Bevölkerung angeschlossen, und so spricht die waffenstarre und leider immer noch wahnsinnig einflussreiche Jägerschaft mit einem Anteil von weniger als 2 % an der Bevölkerung längst von sich selbst, wenn sie die ‚radikale Minderheit‘ bemüht. Ach ja, raten Sie bitte, welcher Partei Herr Pröll wohl angehört?!
‚Ich fühle mich in meinen Forderungen nach einem wolfsfreien Alpenraum bestätigt‘, sagt der Salzburger LK-Präsident Franz Essl. Und wir, wir fühlen uns in unserer Annahme bestätigt, dass die ÖVP, nicht umsonst oft als ‚Österreichische ViehquälerPartei‘ benannt, für echte TierfreundInnen dieserarts niemals eine wählbare Alternative sein wird!
 
Nichtsdestotrotz wird es für den Wolf in Österreich nur dann eine Zukunft geben, wenn sich die besonneneren Elemente der verschiedenen Gruppen zusammensetzen und über eine Lösung nachdenken. Vielleicht, ja vielleicht kann man aus der Geschichte dann doch noch etwas lernen!
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