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As-salamu alaykum,

ich schreibe dir heute aus der Stadt der königlichen Grabstätten, versunkenen Götter und des immerwährenden Verkehrs: Kairo. Inspiriert von der biblischen Figur Bileam ben Beor, den die gleißende Wüstensonne einst zu hartem Gold werden ließ, schenke ich dir heute ein Lied mit dem Titel „Diamanten”. Lad’ es dir hier herunter: Nur kurze Zeit für AbonentInnen. 

Derzeit bereite ich alles für die Veröffentlichung meiner „Lieder vom Tanzen und Sterben” vor. Das Album wird am 10. Oktober 2017 released - bis dahin spiele ich nur noch eine Handvoll Konzerte. Eines davon findet morgen, Donnerstag, im Fluc in Wien statt, ein weiteres am 17. Juni in Ramsau am Dachstein.
 
Bis bald,
Paul
Liedtext „Diamanten”
 
I wohn am Diamantenplotz
Hob Diamanten uman Hois
Hob Diamanten auf di Zähn
Und sunst nur uns
 
Mei Flinserl glänzt
Mei Ring glänzt
Auf meim Ketterl steht dei Nom
Und wenn i mi richtig aufpolier
Schauen oie Leit zu mir    
Schau her!
 
Mei Stirn blent
Mei Brust blent
Du drahst di weg vo mir
Mei goidens Herz wird ma schwa
I bin hort oba sche
 
I hob doch nur uns
Wos host du?
Liner Notes „Diamanten”
Hellseher und Proteine
 
Dieses Lied besitzt eine lange Geschichte: Die erste Idee dafür habe ich im Oktober 2008 für ein unveröffentlichtes Album namens „A Sailor’s Ministry Of Culture” aufgenommen: diamanten_2008. (Die zweite Stimmt kommt von Anna Wedl.) Einen neuen Kontext fand ich dafür erst acht Jahre später, während eines Aufenthalts in Barcelona. Vom kleinen Balkon meiner Wohnung überblickte ich die Plaça del Diamant. An diesem Plätzchen habe ich mich für einige Tage in Legenden rund um’s Alte Testament vertieft. Besonders angetan war ich von Bileam ben Beor, einem Hellseher, der als Kind in einen Honigtopf gefallen war und in der Wüste ausgesetzt wurde. Die Sonne erleuchtete seinen Geist, doch sein Körper wurde zu hartem Gold. Unten am Diamantenplatz trainierten indessen ein paar Barcelonès ihre gebräunten Stahlkörper. Ich brauchte also nur mehr die Hand ausstrecken und der Songtext war so gut wie fertig: diamanten_folk. Erst legte ich den Text über die Gitarrenakkorde von 2008. Was dabei rauskam, passte aber nicht zu den anderen „Liedern vom Tanzen und Sterben”. Ich ließ den offenen Schluss stehen und suchte einen anderen Zugang: diamanten_pop. Hier machten Text und Musik eine zu große Schere. Für die finale Version brauchte es noch einen großen Schritt in Richtung Süden - dorthin, wo sich die Lautsprecher der Muezzins überschlagen und die Laute wie besessen jault. Mit besten Wünschen aus Kairo.
(c) Julian Simonlehner
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