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Liebe Leserinnen und Leser,

dem Thema Gravitationswellen konnte man im Oktober nun wirklich nicht entkommen: Mit der Beobachtung der Signale einer Verschmelzung von zwei Neutronensternen mithilfe von Gravitationswellendetektoren und zahlreichen Instrumenten, die für elektromagnetische Wellen empfindlich sind, begann eine neue Ära der Astronomie. Und diese hat es dann sogar in die Tagesschau und auf die Titelseiten von Zeitungen geschafft, bei denen die Wissenschaft normalerweise nicht an erster Stelle steht. Daniel Fischer hat sich zu diesem Thema seine ganz eigenen Gedanken gemacht und fragt in seiner Kolumne: Wo waren eigentlich die Amateure bei der Beobachtung dieser ersten »Kilonova«?

Nun wird es auch in Zukunft am Himmel nicht ständig eine solche »Kilonova« zu beobachten geben, vor allem nicht eine, die auch von ganz normalen Amateurastronomen erreichbar wäre. Dafür hält der nächtliche Himmel aber zahlreiche andere – und besser vorhersagbare – Ereignisse bereit, die wir für das kommende Jahr in unserem »Himmels-Almanach 2018« aufgelistet und aufbereitet haben. Er ist ab heute im Zeitschriftenhandel erhältlich, Abonnenten sollten das zweite Extra-Heft des Jahres bereits per Post zugeschickt bekommen haben.

Ein solches Heft zusammenzustellen wäre nicht ohne die Hilfe zahlreicher Autoren und Experten möglich gewesen. Dafür auch an dieser Stelle ein Dank an alle, die daran mitgearbeitet haben!
Und damit viel Spaß beim Blättern im neuen Almanach und bei der Lektüre dieses Newsletters!
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Dr. Stefan Deiters
Chefredakteur
Abenteuer Astronomie
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Fischer am Freitag

Meine Kilonova, Deine Kilonova? Von wegen!

In den genau zwei Monaten vom 17. August bis 16. Oktober 2017 ist die Astronomie auf dem Planeten Erde in einem Ausnahmezustand gewesen wie nie zuvor – aber ihre Welt war in zwei streng getrennte Segmente geteilt, als das Zeitalter der »Multi-Messenger«-Astronomie begann. Mehrere tausend Berufsastronomen – Schätzungen reichen bis 5000 oder rund 15% aller Profis – waren eingebunden, wussten viel oder alles, waren aber zu absolutem Stillschweigen verpflichtet. Viele andere aber, darunter fast alle Theoretiker, blieben ausgesperrt – und alle Amateurastronomen auch, egal wie gut ausgestattet. Zwar waren bald relativ konkrete Gerüchte durchgesickert, und spätestens Anfang Oktober war es ein offenes Geheimnis, dass da die Verschmelzung zweier Neutronensterne beobachtet worden war, mit gleichzeitig Gravitationswellen, einem Gammastrahlen-Blitz und danach reichlich weiterer elektromagnetischer Strahlung. Aber alle wirklichen Details wurden erst am 16. Oktober präsentiert, in 65 wissenschaftlichen Arbeiten gleichzeitig, begleitet von über 70 Pressemitteilungen und einem halben Dutzend Pressekonferenzen in mehreren Ländern: eine Choreografie ohne Gleichen.

Wie die erste eindeutige »Kilonova« abgelaufen war, konnte nun auch der Rest der Welt in allen Einzelheiten nacherleben, vom Radio- bis Gammabereich und in Gravitationswellen (nur Neutrinos hatte sie keine geschickt). Dumm nur, dass die Show da schon vorbei war: Da hatte es also ein astronomischen »Transient«, ein rasch vergängliches Himmelsereignis von höchster wissenschaftlicher Bedeutung, gegeben – und keinerlei Kunde davon war an die gesamte Gemeinschaft gegangen. Selbst die üblichen öffentlichen Schnell-Zirkulare nach jedem Gammablitz wurden unterdrückt und erst jetzt publik. Mitmachen durfte nur, wer vor einigen Jahren eine Art Vertrag mit dem LIGO-Projekt abgeschlossen hatte: Rund 70 Profi-Sternwarten wurden damals zugelassen, einige nicht – und Amateurastronomen wurden gar nicht erst gefragt. Auf der zentralen Pressekonferenz am 16. Oktober mussten LIGO-Sprecher zugeben, dass Amateure bereits ab etwa 16 Zoll Öffnung sinnvolle Daten von der Kilonova hätten gewinnen können. Und da die Quelle wegen ihrer Sonnennähe an jedem Ort der Welt nur etwa eine Stunde lang zu sehen war, hätte das weltweite Netz erfahrener Amateure zu ihrer zeitlich dichteren Überwachung beitragen können.

Es ist nachvollziehbar, dass die Detektion der ersten Gravitationswellen überhaupt 2015 noch einige Monate lang geheim gehalten wurde, bis dieser Durchbruch der Extrem-Physik eindeutig bestätigt war. Es hatte ja auch immer nur das LIGO-Signal und dann nichts weiter am Himmel zu sehen gegeben. Aber diesmal wurde die Existenz einer in allen Wellenlängen leicht sichtbaren neuartigen und rasch vergänglichen Quelle gezielt unterdrückt! Wer weiß, was für andere interessante Beobachtungen den ausgesperrten Profi- oder Amateurastronomen eingefallen wären. Und was für ein Kontrast zu anderen historischen Explosionen im Kosmos – etwa der Supernova in der Großen Magellanschen Wolke vor 30 Jahren: Was war das damals, Jahre bevor es auch nur das World Wide Web gab, für ein freier und aufregender Austausch von Daten und Ideen in Echtzeit gewesen, jeder war dabei! Aber es gibt Hoffnung, dass es wieder so kommen wird: Derzeit liegen die LIGO-Detektoren still und werden abermals empfindlicher gemacht. Und wenn sie ab in etwa einem Jahr wieder laufen, dann sollen – so hat das Projekt gegenüber Abenteuer Astronomie noch einmal bestätigt – alle klaren Detektionen von Gravitationswellen sofort öffentlich gemacht werden. Dann können, ja sollen, auch Amateurastronomen auf die Suche nach Gegenstücken im sichtbaren Licht gehen: Es kann passieren, dass einer von ihnen die nächste Kilonova nach einem LIGO-Ereignis aufspürt. An die Rohre!
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Daniel Fischer ist Redakteur bei Abenteuer Astronomie und unser Mann für wahrhaft astronomische Zahlen und Fakten. Sie können ihn befragen und sich mit ihm austauschen über redaktion@abenteuer-astronomie.de oder über unsere Facebook-Seite.
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