Copy
logo.png

Liebe Leserinnen und Leser,

gibt es Leben im All und vielleicht sogar intelligentes Leben? Eine Strategie, diese Frage zu beantworten, besteht darin, auf Signale von Außerirdischen zu lauschen – dies wird im Rahmen des SETI-Programms seit vielen Jahren getan, manche von Ihnen werden sich sicherlich mit SETI@home selbst an der Suche beteiligt haben.

Bis heute wurde dabei keine Spur von Außerirdischen entdeckt. Am 15. August 1977 allerdings spürte man mithilfe des Big-Ear-Radioteleskops der Ohio State University aus Richtung des Sternbildes Schütze ein Signal auf, das ungewöhnlich war. Da ein Wissenschaftler bei der späteren Auswertung »Wow!« auf einen Ausdruck neben der entsprechenden Zahlenkolonne notierte, ist das 72 Sekunden lange Signal bis heute als »Wow!-Signal« bekannt. Und bis heute rätselt man, um was es sich dabei wohl gehandelt hat, denn noch einmal gehört, hat man das »Wow!-Signal« bislang nicht.

Da wundert die mediale Aufregung in der vergangenen Woche über eine Veröffentlichung nicht, in der das »Wow!-Signal« auf einen Kometen zurückgeführt wird – nämlich auf den Kometen 266P/Christensen, den man 1977 noch nicht kannte. Die These stammt zwar schon aus dem letzten Jahr, wurde aber nun, so zumindest die Aussage des Fachartikels, mithilfe von Radiobeobachtungen von Kometen überprüft und bestätigt.
 
So fanden Schlagzeilen wie »Wow!-Signal durch Kometen erklärt« ihren Weg sogar in normale Tageszeitungen – zum Glück aber nicht auf unserer Website. Das Problem ist nämlich: Es gibt in der Fachwelt erhebliche Zweifel an der Kometen-These. Im Internet kann man inzwischen nicht nur fundierte Abhandlungen darüber lesen, warum das »Wow!-Signal« nicht vom besagten Kometen stammen konnte, sondern auch über die Hintergründe des Autors und der Veröffentlichung, die nicht gerade vertrauenserweckend wirken. So schreiben die ersten Zeitungen inzwischen wieder: »Außerirdischer Kontakt? Die Herkunft des Wow!-Signals ist wieder offen!«
 
Es bleibt also spannend – wie so oft in der Astronomie. Sollte tatsächlich die Herkunft des »Wow!-Signals« einmal geklärt sein, werden wir darüber berichten. Versprochen!
Und damit viel Spaß beim Lesen.

Ihr
unterschrift.png
Dr. Stefan Deiters
Chefredakteur
Abenteuer Astronomie
deiters.png

Fischer am Freitag

Verpasste Welten ...

Am Sonntag jährt sich zum 30. Mal die Bekanntgabe der Entdeckung der ersten Planeten außerhalb des Sonnensystems, die sich tatsächlich als echt erwiesen haben. Wie? Was? Jeder weiß doch, dass die ersten realen Exoplaneten 1992 bei einem Neutronenstern und dann 1995 um den normalen Stern 51 Pegasi präsentiert wurden. Aber diese Version der Astronomiegeschichte ist falsch – dabei hatten die Ereignisse des 18. Juni 1987 seinerzeit für erhebliches Aufsehen gesorgt. Doch dann wurden sie kollektiv – von Öffentlichkeit, Journalisten und selbst den meisten Planetenforschern – wieder vergessen. Seltene Ausnahmen: die 2008-er Memoiren des leitenden Astronomen von damals, ein davon inspirierter großer kanadischer Zeitungsartikel und ein Interview mit besagtem Astronomen in der aktuellen Ausgabe von Abenteuer Astronomie.

Der Schauplatz damals: Vancouver in Kanada. Hier hält die American Astronomical Society ihre Sommertagung ab, und traditionell präsentieren Astronomen der gastgebenden Stadt eine medienwirksame Entdeckung aus ihren Reihen auf einer Pressekonferenz. Die Wahl fällt auf die Arbeitsgruppe von Gordon Walker, der die Ehre nur widerwillig annimmt: Das Abstract ihres regulären Konferenzbeitrages ist schließlich aus gutem Grund betont vage: Wenn der Titel einer astronomischen Arbeit mit »A Search for …« beginnt, ist eigentlich jedem klar, dass von einem eindeutigen Fund noch lange keine Rede sein kann. So auch hier: Von wenig signifikanten Hinweisen auf Sternbegleiter mit ein paar Jupitermassen ist da die Rede, die eine neue Messtechnik gefunden hat und die interessant sein könnten.

Auf der großen Bühne aber, wo einen jungen Mitarbeiter die Begeisterung packt, wird de facto die erste Entdeckung von Planeten anderer Sterne daraus: Associated Press schreibt von »starker Evidenz« für fremde Planeten und dass anderen Astronomen die »Daten vielversprechend erschienen« und die Los Angeles Times feiert »einen gewaltigen Durchbruch bei der Suche nach Leben anderswo im Universum«. Schon damals werden aber im weiteren Verlauf der Berichterstattung auch abwartende Stimmen zitiert. In der Fachwelt ist die Stimmung von Anfang an gegen die Kanadier, deren erste detaillierte Veröffentlichung ein Jahr später immerhin von »kleinen, aber statistisch signifikanten Langzeittrends« in den Daten spricht.
Eine allgemein ablehnende Haltung gegenüber angeblichen Exoplaneten (es hatte zu viele vermeintliche Entdeckungen gegeben, die sich als Messfehler entpuppten) und das daraus folgende Desinteresse anderer Astronomen, die schwierigen Messungen zu wiederholen sowie zwischenmenschliche Krisen im Team (ein wesentlicher Mitarbeiter schied mangels Stelle aus und sabotierte vorher noch die gemeinsamen Arbeiten, sein Nachfolger war eher ein Planeten-Skeptiker) taten ein Übriges: Im Sommer 1995 widerriefen die Kanadier in einer großen Arbeit ihre Entdeckungen der 1980-er Jahre.
 
Wenige Monate später präsentierte dann ein Schweizer Team mit 51 Pegasi b einen »heißen Jupiter«, der die moderne Exoplanetologie begründete. Jahre später dann das Erstaunliche: In den Jahren 2000, 2003 und 2006 wurden unabhängig die Planeten von Epsilon Eridani, Gamma Cephei und Beta Geminorum bestätigt, die bereits die Kanadier in ihren verrauschten Daten gesehen hatten! Ein kurioses, wenn auch allzu spätes Happy End einer tragischen Wissenschafts-Saga.
fischer.png
Daniel Fischer ist Redakteur bei Abenteuer Astronomie und unser Mann für wahrhaft astronomische Zahlen und Fakten. Sie können ihn befragen und sich mit ihm austauschen über redaktion@abenteuer-astronomie.de oder über unsere Facebook-Seite.
Anzeige

banner-abenteuer-2.jpg
 
bild1-1024x534.jpg

Was ist eigentlich … ein Atmospheric Dispersion Corrector (ADC)?

Ein Atmospheric Dispersion Corrector, auch ADC genannt, gleicht die sogenannte Astronomische Refraktion aus. Die Luftschicht über der Erde hat einen – wenn auch geringen – Brechungsindex. Dies führt dazu, dass schräg einfallende Lichtstrahlen gebrochen werden und [...]

weiterlesen »

lichtverschmutzung-eifel_aa_09-44-1024x767.jpg

Dunkle Insel im Lichtermeer – zu Besuch im Sternenpark Eifel

Zahlreiche Ballungszentren machen es Sternfreunden im Westen Deutschlands nicht leicht, einen dunklen Beobachtungsplatz für ihr Hobby zu finden. Der Nationalpark Eifel bietet sich als Refugium des ungestörten Nachthimmels an: Seit 2014 ist die Region als [...]

weiterlesen »

saturn20170615_23mesz-1024x479.jpg

15. Juni: Saturnopposition mit größter Ringneigung

Der 15. Juni ist der Tag der Saturnopposition! Der Ringplanet lässt in diesem Jahr tief blicken: Sein Ringsystem ist maximal in Richtung Sonne geneigt, von der Erde aus blickt man ebenfalls von Norden auf die [...]

weiterlesen »

Anzeige

abenteuer-astronomie-aboangebot_580x170_01.jpg
 
pds110model-1024x513.jpg

Vorwarnung: exotische Sternfinsternis im September?

Im kommenden September ist das Sternbild Orion schon wieder in der zweiten Nachthälfte zu beobachen – und ein Stern normalerweise 10. Größe in der Nähe des Gürtels könnte dann eine mehrere Tage dauernde und ziemlich [...]

weiterlesen »

cgx-montierung-dvuden-aa_thema-62-880x1024.jpg

Stabile Montierung für den mobilen Astrofotografen – die CGX-Montierung von Celestron im Test

Mit der CGX-Montierung bietet Celestron eine von Grund auf neu entwickelte Montierung an, die mit einer Nutzlast von 25kg sowie einigen anderen Besonderheiten aufwartet und sich vor allem an Astrofotografen wendet. Doch lohnt sich der [...]

weiterlesen »

abas_theplanets_01-1024x647.jpg

Auf vielen Kuppeln: Eintauchen ins moderne Bild des Planetensystems

Die deutschsprachigen Planetarien haben es wieder geschafft: Zum dritten Mal hat ein Konsortium von inzwischen 19 Häusern gemeinsam eine aufwändige Show produziert, die es mit den besten kommerziellen Produktionen auf dem Markt aufnehmen kann und [...]

weiterlesen »

Anzeige

dvd-archiv-aa-newsletter.jpg
 
hebe_gross.jpg

Willkommen auf dem Kleinplaneten (6) Hebe !

Sie heißen auch Asteroiden, die Kleinplaneten des Sonnensystems, weil sie den Astronomen lange Zeit stern-, also punktförmig erschienen – aber das ist vorbei. Mit modernen optischen Verfahren lassen sich von den größeren Exemplaren echte Bilder [...]

weiterlesen »

News

Termine

Bleiben Sie in Kontakt
Kioskfinder
 
Webseite Twitter Facebook Mail

app_banner.png
app_banner_cta_01.png

app_banner_cta_02.png

Noch Fragen?
icon_phone.png  09131 970694*
*Festnetz. Erreichbar Montag bis Donnerstag von 13.00 bis 18.00 Uhr.
icon_email.png   info@abenteuer-astronomie.de
 
Abenteuer Astronomie | Oculum-Shop | Impressum | Mediadaten
Newsletter abbestellen