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Liebe Leserinnen und Leser,

seine erste Kolumne in unserem neuen Newsletter überschrieb Daniel Fischer im Januar mit dem Titel »Postfaktische Astronomie«. Zum Postfaktischen oder eher sogar zum »Ohne-jede-Faktischen« gehört sicherlich auch die »Kunst«, aus der Stellung der Sterne Hinweise auf unser künftiges Schicksal abzuleiten. Ich meine natürlich die Astrologie. Das Thema sorgte in dieser Woche für einen sogenannten »Shitstorm« im Internet, dem die renommierte Ruhr-Universität in Bochum ausgesetzt war. Diese porträtiert nämlich auf ihrer Website Uni-Mitarbeiter und hatte am Mittwoch dafür ausgerechnet die Sekretärin Barbara Grundei ausgewählt. Diese, so verriet der Text, befragt »die Sterne, wenn sie Hilfe bei schweren Entscheidungen braucht.«

Die Reaktion auf eine augenscheinlich kritiklose Präsentation der Astrologie auf den Seiten einer der Wissenschaft verpflichteten Universität, sorgte natürlich für erhebliche Kritik. An der Ruhr-Universität, wo sich regelmäßig auch Amateur-Astronomen treffen und im letzten Jahr die Herbsttagung der Astronomischen Gesellschaft stattfand, hat man inzwischen mit einer Stellungnahme reagiert: Man wolle auf keinen Fall »die Scheinwissenschaft der Astrologie als Wissenschaft legitimieren oder ihr eine Plattform bieten, um für sich zu werben.«

Leserinnen und Leser von Abenteuer Astronomie wissen es längst: Die richtige Astronomie ist sowieso deutlich spannender als jede Pseudo-Wissenschaft und liefert ständig Neues und Verblüffendes. Das liegt auch daran, dass sie als echte Wissenschaft meist keine abgeschlossenen Fakten präsentieren kann, sondern dass wir bei ihr praktisch Zeuge werden, wie Astronomen Stück für Stück versuchen, die Rätsel des Universums zu lösen.

Das erklärt auch, warum viele Meldungen und Berichte auf unserer Website oder im Heft nur eine Art Zwischenstand der Forschung beschreiben – weniger spannend sind sie dadurch nicht, ganz im Gegenteil. Daniel Fischer hat in seiner Kolumne dafür drei aktuelle Beispiele zusammengestellt.

Und damit viel Spaß beim Lesen!
Ihr

Dr. Stefan Deiters
Chefredakteur
Abenteuer Astronomie

Fischer am Freitag: Es geht immer weiter ...

Die astronomischen Meldungen auf unserer Webseite stellen selten das Ende der Forschung dar: Meist sind es neue Entdeckungen oder erste Erkenntnisse über ein interessantes Himmelsobjekt. Aber oft kommen bald neue Details heraus.
  • Der erst vom Satelliten Gaia entdeckte Sternhaufen dicht bei Sirius ist wirklich einer: Das zeigen Spektren von 41 seiner Sterne, die mit dem Anglo-Australian Telescope gewonnen wurden. Demnach handelt es sich um einen Offenen Sternhaufen, der etwa drei Milliarden Jahre alt ist – mit immerhin so hellen Sternen, dass Gaia 1 sicher schon im 19. Jahrhundert entdeckt worden wäre, wenn nicht der hellste Stern des Himmels elf Bogenminuten daneben so stören würde. Auch erste Hinweise auf seine Bewegung in der Milchstraße gibt es schon: Der Sternhaufen ist möglicherweise extragalaktischen Ursprungs.
     
  • Der nach neueren Erkenntnissen drittgrößte Körper im Kuipergürtel nach Pluto und Eris hat einen kleinen Mond, der auf Archivbildern des Weltraumteleskops Hubble entdeckt wurde. Er ist vier Größenklassen schwächer als der weiter namenlose (225088) 2007 OR10: Gleiches Rückstrahlvermögen wie dieser vorausgesetzt, hat er 240km Durchmesser, während die zuvor abgeleiteten rund 1540km des Hauptkörpers gültig bleiben. Alle Eiswelten im Kuipergürtel größer als 1000km im Durchmesser besitzen damit mindestens einen Mond: offenbar eine unvermeidliche Nebenwirkung bei ihrer Bildung im jungen Sonnensystem.
     
  • Dank 79 Tagen Photometrie mit den Kepler-Satelliten ist nun auch die Bahn des äußersten der sieben Planeten des Sterns TRAPPIST-1 bekannt: Er braucht 18,76 Tage für einen Umlauf um den Roten Zwerg. Dessen Planetensystem wird damit immer bemerkenswerter: Die Umlaufszeiten von jeweils drei benachbarten Planeten stehen in einem klaren mathematischen Verhältnis zueinander. Vermutlich sind sie in größerem Abstand vom Stern entstanden und dann bei Wanderungen nach innen in komplexen Bahnresonanzen hängen geblieben. Die Helligkeitsmessungen Keplers zeigen auch zahlreiche Helligkeitsausbrüche des Sterns, die eventuellen Atmosphären seiner Planeten nicht guttun dürften, darunter einen sehr starken.
Etliche theoretische Arbeiten sind über das TRAPPIST-1-System ebenfalls schon erschienen, darunter detaillierte Klima-Rechnungen: Nach diesen wäre wohl nur beim Planeten ‚e‘ genau in der Mitte ein Wasserozean möglich. Ein besonders lebensfreundliches Planetensystem sieht jedenfalls anders aus.

Daniel Fischer

Daniel Fischer ist Redakteur bei Abenteuer Astronomie und unser Mann für wahrhaft astronomische Zahlen und Fakten. Sie können ihn befragen und sich mit ihm austauschen über redaktion@abenteuer-astronomie.de oder über unsere Facebook-Seite.
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