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Liebe Leserinnen und Leser,

sind Sie auch so begeistert von den sieben erdgroßen Planeten, die den Zwergstern 2MASS J23062928-0502285 umkreisen sollen? In der allgemeinen Öffentlichkeit hat die Entdeckung um die rund 40 Lichtjahre entfernte Sonne, die glücklicherweise inzwischen medienfreundlich TRAPPIST-1 genannt wird, für gehörigen Wirbel gesorgt.
 
Ich persönlich bin bei solchen Meldungen immer gespalten: Einerseits ist es natürlich faszinierend zu wissen, dass um immer mehr Sterne Planeten kreisen, die vielleicht sogar halbwegs lebensfreundliche Bedingungen bieten könnten. Auf der anderen Seite frage ich mich immer – nachdem NASA, ESO und Co. schon seit vielen Jahren regelmäßig den »erdähnlichsten« aller Exoplaneten entdecken – wie hoch bei einer solchen Meldung eigentlich der Anteil an tatsächlichen Fakten ist und wie stark die PR-Abteilung noch wissenschaftliche Spekulationen dazu gemischt hat, um das Ganze für die Medienwelt interessanter zu machen.
 
Verstehen Sie mich nicht falsch: Die Entdeckung von gleich sieben Planeten um einen Sterntyp, der zu den häufigsten Sterntypen der Milchstraße zählen dürfte, ist eine spannende Entdeckung. Nur wissen wir über diese sieben Planeten um TRAPPIST-1 bislang nur sehr wenig. Lebensfreundlich? Keiner weiß das genau. Ich jedenfalls würde mich nur ungern auf den Weg dorthin machen.
Die Ankunft dort würde ich sowieso kaum erleben, denn 40 Lichtjahre sind mit der uns zur Verfügung stehenden Technologie eine verdammt lange Strecke. Es bleibt der Blick zu TRAPPIST-1, der allerdings mit herkömmlichen Amateurteleskopen kaum möglich ist: Der Zwergplanet ist einfach zu lichtschwach. Da könnten ganz neue Verfahren wie »augmentierte«, also erweiterte Beobachtungstechniken helfen, womit ich Sie elegant an Daniel Fischer weiterreiche, der sich damit in seiner Kolumne heute ausführlicher befasst.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Dr. Stefan Deiters
Chefredakteur
Abenteuer Astronomie

Fischer am Freitag: Augmentierte Amateur-Astronomie

Da war er mal wieder, so ein Moment, wo man noch so energisch durch das Okular starren konnte, und das Objekt der Begierde blieb schlicht unsichtbar. Konkret handelte es sich dabei in jener Nacht der letzten Woche um den Kometen 45P, der lange nach dem Perihel und in Erdnähe zu einer riesigen und zugleich extrem flächenschwachen Wolke angeschwollen war. Zu sehen gewesen wäre er allerdings nur bei dunklem Land- oder Berghimmel. Beobachter dort waren sogar ganz angetan. Suburban ging da einfach nichts.
 
Ach könnte man doch irgendwo an einem Regler drehen, mehr Photonen sammeln, den Kontrast hochdrehen! Solch ein Wunsch wird auch manchen überkommen, der vergebens nach schwachen Galaxien oder allzu diffusen Nebeln Ausschau hält, die die nun einmal vorhandene Himmelsqualität einfach nicht hergeben will. Und erst recht nach (viel) mehr Bild im Rohr dürstet fast immer, wer als Gast zu einer öffentlichen Beobachtung gekommen ist und dabei die farbenprächtigen Deep-Sky-Bilder von ESO, Hubble und Co. im Hinterkopf hat. Da sollte das 21. Jahrhundert doch langsam mal eine Lösung bieten!?

Die Zeit könnte nun kommen: »Enhanced Vision Telescope« heißt eine Erfindung der französischen Firma Unistellar Optics, deren Prototyp diesen Winter auf Elektronikmessen und auch einmal unter echtem Nachthimmel – in der Nähe von Las Vegas – vorgeführt wurde. Bis zur Markteinführung wird es noch etwas dauern und über die technischen Details hüllen sich die Hersteller aus Angst vor Nachahmern in tiefes Schweigen. Auch sei man immer noch schwer am Entwickeln.

So viel ließ sich aber herausfinden: Das Herzstück ist ein Pseudo-Okular, das in Wirklichkeit objektivseitig aus einer integrierenden Videokamera besteht und auf der Augenseite durch eine Lupe einen Bildschirm zeigt, auf dem während des Photonen-Sammelns der Kamera das Bild immer heller und kontrastreicher wird – bis weit über die Helligkeit hinaus, die ein direkter Blick durch dasselbe Teleskop bieten würde. Die Erfinder versichern, die Zahl der Pixel sei so groß, dass man sie nicht mehr erkenne – alles fühle sich ganz so an wie ein echter Blick durch ein Fernrohrokular, nur dass eben alles viel heller und besser sei.
Etwa 1500 Euro soll das Ganze einmal kosten, integriert in ein kleines Teleskop und zwischen Ende 2017 und Mitte 2018 in den Handel kommen, vielleicht auch das »Okular« separat. Ist das die Zukunft der Amateur- wie volksbildenden Astronomie? Und wäre es gar möglich, das künstliche Bild mit dem direkten Blick durchs Fernrohr – der nun mal einen ganz eigenen Reiz hat - nach Belieben zu mischen? Ein »Augmented Reality«-Teleskop gab es vor einem Jahrzehnt am MPI für Informatik in Saarbrücken, wo in den Strahlengang eines Amateurfernrohres Informationen und auch bessere Bilder (aus einer Datenbank, nicht live erzeugt) eingespiegelt wurden. Marktreif wurde das nie, im Gegensatz zum »Universe2go« eines deutschen Erfinders, das AR-Informationen über einen allerdings unvergrößerten Himmelsanblick legt.

Da wäre der Schritt doch nicht mehr weit zu einem Teleskopansatz mit halbdurchlässigem Spiegel: ein Teil des Lichts geht direkt ins Okular, der andere zu einer Astrokamera – und deren integriertes/verbessertes/ergänztes Bild kehrt über denselben Spiegel in den Strahlengang zurück und kann nach Belieben der trüben Realität zugemischt werden. Ein Knopfdruck und Komet 45P hätte sich nicht mehr verstecken können…

Daniel Fischer ist Redakteur bei Abenteuer Astronomie und unser Mann für wahrhaft astronomische Zahlen und Fakten. Sie können ihn befragen und sich mit ihm austauschen über redaktion@abenteuer-astronomie.de oder über unsere Facebook-Seite.
 

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