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Tagesausgabe
01/05/16

„Wir sind nicht alleine!“

Redaktion  |  01/05/16
Papst Franziskus beim Angelus (23. August 2015)

Wir dokumentieren im Folgenden in einer eigenen Übersetzung die Worte von Papst Franziskus beim heutigen Regina Coeli.

Nach dem Mariengebet gratulierte der Heilige Vater den Christen der Ostkirchen, die dem julianischen Kalender folgen, zum heutigen Osterfest. „Der auferstandene Herr reiche allen das Geschenk seines Lichtes und seines Friedens. Christos anesti!“, wünschte Papst Franziskus.

Weiter drückte er seine tiefe Besorgnis über den Krieg in Syrien aus. „Mit tiefem Schmerz erfüllen mich die dramatischen Meldungen aus Syrien bezüglich der Gewaltspirale, die nach wie vor – insbesondere in der Stadt Aleppo – die trostlose humanitäre Lage des Landes verschlimmert und unschuldige Opfer fordert, sogar unter den Kindern, den Kranken und jenen, die sich mit großer Opferbereitschaft der Hilfeleistung für die Nächsten widmen“, betonte Franziskus.

***

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Das heutige Evangelium bringt uns in den Abendmahlssaal zurück. Während des letzten Abendmahls verspricht Jesus vor seinem Leiden und dem Tod am Kreuz den Aposteln die Gaben des Heiligen Geistes, dem die Aufgabe zukommen wird, seine Worte der Gemeinschaft der Jünger zu lehren und in Erinnerung zu rufen. Jesus selbst sagt: „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh 14,26). Lehren und in Erinnerung rufen. Dies tut der Heilige Geist in unseren Herzen.

In jenem Moment, als seine Rückkehr zum Vater kurz bevorsteht, kündigt Jesus das Kommen des Geistes an, der die Jünger vor allem lehren wird, das Evangelium immer vollkommener zu begreifen, es in ihr Dasein aufzunehmen und mit dem Zeugnis lebendig und wirksam zu machen. Während er sich anschickt, den Aposteln – der Bedeutung des Wortes zufolge den „Gesandten“ – den Auftrag zu erteilen, die Verkündigung des Evangeliums in die gesamte Welt zu tragen, verspricht ihnen Jesus, dass sie nicht alleine bleiben werden: Der Heilige Geist, der Paraklet, wird bei ihnen sein, ihnen zur Seite zu stehen und in ihnen zu sein, um sie zu verteidigen und zu stützen. Jesus kehrt zum Vater zurück, doch durch das Geschenk des Heiligen Geistes begleitet und belehrt er seine Jünger weiterhin.

Der zweite Aspekt der Sendung des Heiligen Geistes besteht darin, den Jüngern dabei zu helfen, sich an die Worte Jesu zu erinnern. Der Geist hat die Aufgabe, die Worte Jesu im Gedächtnis wachzurufen. Der göttliche Meister hat bereits alles mitgeteilt, was er den Jüngern anvertrauen wollte: Mit ihm dem, fleischgewordenen Wort, vervollständigt sich die Offenbarung. Der Geist lässt an die Lehren Jesu in den verschiedenen konkreten Situationen des Lebens erinnern, um sie dann in die Praxis umzusetzen. Genau dies geschieht auch heute noch in der Kirche unter der Führung des Lichtes und der Kraft des Heiligen Geistes, damit sie allen das Geschenk des Heils überbringt, d.h. die Liebe und die Barmherzigkeit Gottes; wenn ihr beispielsweise – wie ich es euch empfohlen habe – jeden Tag einen Text, einen Abschnitt aus dem Evangelium lest, bittet den Heiligen Geist darum: „Dass ich diese Worte Jesu begreife und mich an sie erinnere.“ Und dann lest den Text, jeden Tag… Aber sprecht zuerst dieses Gebet an den Geist, der in unserem Herzen ist: „Dass ich mich erinnere und begreife.“

Wir sind nicht alleine: Jesus ist uns nahe, er ist unter uns, in uns! Seine neue Gegenwart in der Geschichte zeigt sich durch das Geschenk des Heiligen Geistes, durch den es möglich ist, eine lebendige Beziehung mit ihm, dem gekreuzigten Auferstandenen, einzugehen. Der in uns mit den Sakramenten der Taufe und der Firmung ausgegossene Geist wirkt in unserem Leben. Er leitet unsere Art zu denken, zu handeln, das Gute vom Schlechten zu unterscheiden; er hilft uns dabei, die Barmherzigkeit Jesu zu üben, sein Sich-Den-Anderen-Schenken, vor allem den Bedürftigsten.

Wir sind nicht alleine! Und das Zeichen der Gegenwart des Heiligen Geistes ist auch der Friede, den Jesus seinen Jüngern schenkt. „Meinen Frieden gebe ich euch“ (V. 27). Dieser unterscheidet sich von jenem, den die Menschen einander wünschen und umzusetzen versuchen. Der Friede Jesu entspringt dem Sieg über die Sünde, über den Egoismus, der uns daran hindert, einander wie Brüder zu lieben. Er ist ein Geschenk Gottes und ein Zeichen seiner Gegenwart. Jeder Jünger, der heute zur Nachfolge Jesu berufen ist, indem er das Kreuz trägt, empfängt den Frieden des gekreuzigten Auferstandenen in sich in der Gewissheit seines Sieges und in der Erwartung seines endgültigen Kommens.

Die Jungfrau Maria helfe uns dabei, den Heiligen Geist fügsam als inneren Meister und als lebendiges Gedächtnis Jesu auf unserem täglichen Weg aufzunehmen.

[Nach dem Regina Coeli:]

Liebe Brüder und Schwestern!

Mein herzlicher Gruß geht an unsere Brüder der Kirchen des Ostens, die heute Ostern feiern. Der auferstandene Herr reiche allen das Geschenk seines Lichtes und seines Friedens. Christos anesti!

Mit tiefem Schmerz erfüllen mich die dramatischen Meldungen aus Syrien bezüglich der Spirale der Gewalt, die nach wie vor – insbesondere in der Stadt Aleppo – die trostlose humanitäre Lage des Landes verschlimmert und unschuldige Opfer fordert, sogar unter den Kindern, den Kranken und jenen, die sich mit großer Opferbereitschaft der Hilfeleistung für die Nächsten widmen. Ich ermahne alle an dem Konflikt beteiligten Parteien, sich an die Einstellung der Feindseligkeiten zu halten und den begonnenen Dialog, den einzigen Weg zum Frieden, zu fördern.

Morgen beginnt in Rom die internationale Konferenz zum Thema „Lo sviluppo sostenibile e le forme più vulnerabili di lavoro“ (Nachhaltige Entwicklung und die am meisten gefährdeten Formen der Arbeit). Ich hoffe, dass dieses Ereignis eine Sensibilisierung der Obrigkeiten, der politischen und wirtschaftlichen Institutionen und der Zivilgesellschaft bewirkt, damit ein Entwicklungsmodell gefördert wird, das die menschliche Würde in der vollkommenen Achtung des Arbeits- und Umweltrechtes berücksichtigt.

Seid herzlich willkommen, ihr Pilger aus Italien und anderen Ländern. Mein Gruß geht insbesondere an die Gläubigen aus Madrid, Barcelona und Warschau sowie die Gemeinschaft Abramo, die sich Evangelisierungsprojekten in Europa widmet, die Pilger aus Olgiate Comasco, Bagnolo Mella und die Firmkandidaten aus Castelli Calepio.

Ich begrüße die Vereinigung „Meter“, die seit vielen Jahren gegen alle Formen des Missbrauchs Minderjähriger kämpft. Das ist eine Tragödie! Wir dürfen den Missbrauch gegen Minderjährige nicht tolerieren! Wir müssen Minderjährige schützen und die Angreifer hart bestrafen. Danke für euren Einsatz. Setzt eure Arbeit mutig fort!

Euch allen wünsche ich einen schönen Sonntag. Bitte vergesst nicht darauf, für mich zu beten. Gesegnete Mahlzeit und auf Wiedersehen!

[Aus dem Italienischen übersetzt von Sarah Fleissner]


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„Ein Beichtvater muss ein Vater sein!“

Redaktion  |  01/05/16
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Im Laufe der außerordentlichen Generalaudienz zum Jubiläum der Barmherzigkeit, die heute Morgen auf dem Petersplatz stattfand, griff Papst Franziskus das Thema der Versöhnung auf.

Barmherzigkeit – so Jorge Bergoglio – bedeute vor allem Versöhnung mit dem Vater und mit den Brüdern. „Oft denken wir, dass unsere Sünden den Herrn von uns fernhalten: In Wahrheit entfernen wir uns vom Herrn, wenn wir sündigen; doch wenn er uns in Gefahr sieht, sucht er uns umso mehr“, erklärte er.

Papst Franziskus richtete sich besonders an die Beichtväter. Sie sollten – so betonte er – „den Menschen, die sich mit Gott versöhnen wollen, keine Hindernisse in den Weg“ stellen und den Beichtstuhl nicht in „eine Folterkammer oder ein Verhör“ verwandeln.

Die Versöhnung – erinnerte der Papst weiter – sei letztendlich auch „ein Dienst am Frieden, an der Anerkennung der Grundrechte der Menschen, an der Solidarität und an der Annahme aller.

Deswegen lud er die Gläubigen ein, sich mit Gott versöhnen zu lassen, um neue Geschöpfe zu werden und seine Barmherzigkeit mitten unter den Brüdern, mitten unter den Menschen, zu verstrahlen.

Wir dokumentieren im Folgenden in einer eigenen Übersetzung die vollständige Ansprache von Papst Franziskus.

***

Barmherzigkeit und Versöhnung

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute möchte ich mit euch über einen wichtigen Aspekt der Barmherzigkeit nachdenken: die Versöhnung. Gott hat es nie verabsäumt, den Menschen seine Vergebung zu schenken: Seine Barmherzigkeit wird von Generation zu Generation spürbar. Oft denken wir, dass unsere Sünden den Herrn von uns fernhalten: In Wahrheit entfernen wir uns vom Herrn, wenn wir sündigen; doch wenn er uns in Gefahr sieht, sucht er uns umso mehr. Gott nimmt nie die Möglichkeit in Kauf, dass ein Mensch von seiner Liebe ausgeschlossen bleibt, jedoch unter der Voraussetzung, dass er in ihm ein Zeichen der Reue für das verursachte Übel erkennt.

Allein aus eigener Kraft gelingt es uns nicht, uns mit Gott zu versöhnen. Die Sünde ist tatsächlich ein Ausdruck der Ablehnung seiner Liebe, die dazu führt, dass wir uns in uns selbst verschließen und uns der Illusion hingeben, größere Freiheit und Autonomie zu erlangen. Fern von Gott haben wir jedoch kein Ziel mehr und als Pilger auf dieser Welt werden wir zu „Umherirrenden“. Einer weit verbreiteten Redensart zufolge „kehren wir Gott den Rücken“, wenn wir sündigen. Genauso verhält es sich; der Sünder sieht nur sich selbst und gibt so vor, sich selbst zu genügen; daher wird die Distanz zwischen uns und Gott immer größer und kann zu einem Abgrund werden. Dennoch sucht uns Jesus wie ein guter Hirte, der nicht zufrieden ist, bis er das verlorene Schaf wiedergefunden hat, wie wir im Evangelium lesen (vgl. Lk 15,4-6). Er baut die uns zum Vater führende Brücke wieder auf und ermöglicht uns die Wiedererlangung der Würde als Kinder. Mit der Hingabe seines Lebens hat er uns mit dem Vater wieder versöhnt und uns das ewige Leben geschenkt (vgl. Joh 10,15).

„Lasst euch mit Gott versöhnen!“ (2 Kor 5,20): Der Ausruf des Apostels Paulus an die ersten Christen von Korinth gilt heute mit derselben Kraft und Überzeugung für uns alle. Lassen wir uns mit Gott versöhnen! Dieses Jubiläum der Barmherzigkeit ist eine Zeit der Versöhnung für uns alle. Viele Menschen möchten sich mit Gott versöhnen, wissen jedoch nicht wie, fühlen sich nicht würdig oder wollen es nicht einmal vor sich selbst zugeben. Die christliche Gemeinde kann und muss die aufrichtige Rückkehr zu Gott für jene, die sich danach sehnen, fördern. Vor allem jene, die den „Dienst der Versöhnung“ leisten (2 Kor 5,18), sind dazu berufen, fügsame Werkzeuge des Heiligen Geistes zu sein, damit die Barmherzigkeit Gottes dort, wo die Sünde im Überfluss vorhanden war, überwiegen möge (vgl. Röm 5,20). Niemand soll aufgrund von durch Menschen geschaffene Hindernisse von Gott fern bleiben! Dies gilt auch – und das möchte ich betonen – für die Beichtväter – es gilt für sie!: Bitte stellt den Menschen, die sich mit Gott versöhnen wollen, keine Hindernisse in den Weg. Ein Beichtvater muss ein Vater sein! Er nimmt den Platz Gottes des Vaters ein! Der Beichtvater muss die zu ihm für eine Versöhnung mit Gott kommenden Menschen aufnehmen und ihnen auf dem Weg dieser Versöhnung behilflich sein. Dieser Dienst ist sehr schön: Es handelt sich dabei nicht um eine Folterkammer oder ein Verhör. Nein, es ist der Vater, der diese Menschen empfängt, sie aufnimmt und ihnen vergibt. Lassen wir uns mit Gott versöhnen! Wir alle! Möge dieses heilige Jahr eine günstige Zeit für die Wiederentdeckung der Notwendigkeit der Zärtlichkeit und der Nähe des Vaters sein, für eine Rückkehr zu ihm aus ganzem Herzen.

Die Erfahrung der Versöhnung mit Gott erlaubt uns die Entdeckung der Notwendigkeit weiterer Formen der Versöhnung: in den Familien, in den zwischenmenschlichen Beziehungen, in den kirchlichen Gemeinden sowie in den sozialen und internationalen Beziehungen. In den vergangenen Tagen sagte mir jemand, dass es auf der Welt mehr Feinde als Freunde gebe und ich glaube, dass er recht hatte. Aber nein, bauen wir auch zwischen uns Brücken der Versöhnung, beginnend bei der Familie selbst. Wie viele Brüder haben gestritten und haben sich allein aufgrund der Erbschaft voneinander entfernt. Das geht nicht! Dieses Jahr ist das Jahr der Versöhnung mit Gott und zwischen uns! Die Versöhnung ist tatsächlich auch ein Dienst am Frieden, an der Anerkennung der Grundrechte der Menschen, an der Solidarität und an der Annahme aller.

Nehmen wir daher die Einladung an und lassen wir uns mit Gott versöhnen, um neue Geschöpfe zu werden und seine Barmherzigkeit mitten unter den Brüdern, mitten unter den Menschen, zu verstrahlen.

Begrüßung der Vertreter der Streitkräfte und der Polizei am Jubiläum

Mit Freude begrüße ich die Vertreter der Streitkräfte und der Polizei aus vielen Teilen der Welt, die anlässlich des außerordentlichen Jubiläums der Barmherzigkeit nach Rom gepilgert sind. Der Auftrag der Streitkräfte – Militär und Polizei – besteht darin, eine sichere Umgebung zu gewährleisten, damit jeder Bürger in Ruhe und Frieden leben kann. Seid in euren Familien, in den verschiedenen Bereichen eures Wirkens, Werkzeuge der Versöhnung, Brückenbauer und Sämänner des Friedens. So seid ihr dazu berufen, den Konflikten nicht nur vorzubeugen, mit ihnen umzugehen oder sie zu beenden, sondern auch zum Bau einer Ordnung beizutragen, die auf Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Freiheit gründet, wie aus der in der Enzyklika Pacem in terris (N. 18 ff) enthaltenen Definition des Friedens des hl. Johannes XXIII. hervorgeht.

Die Bejahung des Friedens ist kein leichtes Unterfangen, vor allem aufgrund des Kriegs, der die Herzen vertrocknet und Gewalt und Hass vergrößert. Ich ermahne euch dazu, nicht zu verzagen. Setzt euren Weg des Glaubens fort und öffnet eure Herzen für Gott, den barmherzigen Vater, der nie müde wird, uns zu vergeben. Lasst angesichts der Herausforderungen eines jeden Tages die christliche Hoffnung leuchten, die Sicherheit des Sieges der Liebe über den Hass und des Friedens über den Krieg.

[Übersetzt aus dem Italienischen von Sarah Fleissner]


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Hören wir auf unsere Jugendlichen, sie haben uns viel zu lehren

Redaktion  |  01/05/16
CCEE Sghezed

„Da-sein, zuhören, unterstützen und begleiten“ seien die wesentlichsten Verhaltensweisen, die diejenigen haben sollten, die in der Jugendarbeit tätig sind. Zu diesem Ergebnis kamen die Verantwortlichen der Jugend- und Universitätspastoral der europäischen Bischofskonferenzen, nachdem sie die Anliegen der vier jungen Universitätsstudenten aus Ungarn, Rumänien, Italien und Schweden – Redner und eigentliche Hauptakteure der vom 27. bis 29. April in Szeged (Ungarn) stattgefundenen CCEE-Tagung – gehört hatten.

Angesprochen auf Fragen, Probleme und Erwartungen, die ihnen am Herz liegen, ließen die jungen Studenten durch ihre Aussagen in Szeged die gesunde Sorge erkennen, die der Reifeprozess ihrer Altersgenossen in der heiklen Lebensphase, in der sie endgültig das Jugendalter verlassen um ihre Zukunft und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, mit sich bringt.

Im Versuch der eigenen Existenz, der eigenen Rolle und dem Platz in der „Gesellschaft, die uns angenommen hat“ Sinn zu geben; im Wunsch geliebt zu werden und selbst Liebe schenken zu können, ist es die Einsamkeit, die die Jugendlichen am meisten zu erschrecken scheint. Ihre großen Fragenzeichen – auch ganz konkreter Art (wie wird meine Zukunft in sechs Monaten aussehen; wie soll ich meinen Partner wählen; welches sind meine echten Freunde; welche Bedeutung hat Gott für mich; wie soll ich meine Zeit nutzen; welche Prioritäten sollte ich in meinem Leben setzen; welche Motivationen bewegen mich um meine Aufgaben zu erfüllen; bin ich denn der vorgeschlagenen Glaubenserfahrung gewachsen… ) – verwandeln sich oft, wenn sie alleine gelebt werden, in tiefe und reelle Formen von Angstzuständen, wenn nicht gar in Depression.

Daraus erwächst der Ratschlag für all jene, die sich der Seelsorge junger Menschen widmen, vor allem zugängliche Freunde zu sein, besonders in schwierigen oder von Unsicherheit gekennzeichneten Zeiten; Menschen die zuhören können anstatt zu urteilen, die es verstehen die Fähigkeiten eines jeden hervorzuheben, indem sie sie wertschätzen und fördern. Vor allem aber Menschen, die begleiten können und fähig sind, in den Jugendlichen das Verantwortungsbewusstsein für ihren eigenen Reifungsweg zu wecken.

Andererseits ließen die zahlreichen vorgetragenen Erfahrungen der Teilnehmer eine sehr reiche und vielgestaltige Wirklichkeit erkennen, gekennzeichnet von Jugendlichen, die gerne ihre Zeit zur Verfügung stellen, die gerne ihre Kompetenzen und Ressourcen teilen. Die vielfältigen Erfahrungen aus fast ganz Europa – insbesondere auf dem Gebiet der Glaubensverkündigung, dem karitativen Bereich oder im „Kampf“ gegen soziale Ungerechtigkeit – werden manchmal auch mit Personen aus anderen christlichen Kirchen oder anderen Religionen vorangebracht. Die Erfahrungsberichte zeigten deutlich, dass Jugendliche, wenn sie genügend dazu angeregt werden, zu großen Antworten in der Lage sind und dazu, aus ihrer Selbstbezogenheit auszubrechen und auf das Wesentliche ihres Glaubens einzugehen.

Tatsächlich scheuen junge Menschen nicht vor Begegnung, Beziehung, vor der Kirche zurück. Im Gegenteil, sie suchen und sehnen sich nach echten und tiefen Beziehungen mit Gleichaltrigen, mit ihren Universitätsseelsorgern und mit Jesus Christus. Was sie am meisten fürchten, scheint das Urteil zu sein. Für sie ist das Urteil anderer sehr wichtig und kann ein echtes Handikap darstellen, vor allem wenn ein Mangel an Selbstwertgefühl vorhanden ist. Ihr Leben ist tatsächlich ausgefüllt von Institutionen und urteilenden Beziehungen (die eigene E-Reputation in den sozialen Medien, das Urteil der eigenen Freunde und der Familie sowie der Universitätsprüfungen…) und daher akzeptieren sie keine urteilende Kirche. Sie möchten eine Kirche, die sie so annimmt wie sie sind, mit ihren Fragen, ihren Zweifeln; die ihnen nicht sagt was sie tun und wie sie sein sollen, sondern die sie in ihrer Antwortfindung begleitet und ihnen manchmal auch hilft, die richtigen Fragen zu stellen. Eine Kirche also, die sich nicht scheut, sie auch vor anspruchsvolle Vorschläge und Herausforderungen zu stellen.

Besonders heute verstärkt der Mangel an Arbeitsplätzen, in Verbindung mit verschiedenen Formen von Bildungsdefiziten, diese Situation der Unsicherheit, diese Unfähigkeit, die eigene Zukunft und den Mangel an Vertrauen in die eigene Person in die Hand zu nehmen. Leider wächst in Europa die Zahl der untätigen Jugendlichen auf alarmierende Weise. Neben all den Folgen, die diese Untätigkeit auf sozialer und wirtschaftlicher Ebene hat, spielt sich das eigentliche Drama auf persönlicher Ebene ab. „Viele Probleme unbeschäftigter junger Menschen“ – sagten die Jugendlichen in Szeged – „sind unsichtbar, verstecken sich hinter scheinbaren Sicherheiten und verwandeln sich oft in echte Abhängigkeiten.“

Im Laufe der Tagung, an der auch Msgr. Ferenc Palánki, verantwortlicher Bischof für Jugendpastoral in Ungarn, und weitere Universitätsseelsorger des Landes teilgenommen haben, berichtete P. Levente Serfőző über die Situation der Jugend- und Universitätspastoral in Ungarn. Mit mehr als 50 Prozent katholischer Bevölkerung, trotz der langen Zeit der Kirchenverfolgung im vergangenen Jahrhundert, erscheint die Jugendpastoral  heute als eine organisierte und koordinierte Realität. Sie findet auch Ausdruck in zahlreichen Tagungen und Projekten, darunter ökumenische und solche, die einer erster Evangelisierung gewidmet sind, mit einer besonders ausgeprägten Aufmerksamkeit für sozialkaritative und umweltorientierte Freiwilligenarbeit.

Im Bereich der Universitätspastoral wurde neben den fünfzehn Seelsorgeeinheiten, die es in Ungarn gibt, an die Bedeutung der bestehenden Universitätskollegs erinnert. Dabei ist die besondere Aufmerksamkeit zu unterstreichen, die der Roma-Bevölkerung zukommt, mit spezifischen, auf die Begleitung jugendlicher Roma ausgerichteten Programmen und Aktivitäten.

Schließlich wurde ein Teil der Arbeiten der Reflexion über das Arbeitsdokument für das bevorstehende Symposium über die Begleitung junger Menschen auf ihrem Glaubensweg,  das im März 2017 in Barcelona stattfinden wird, gewidmet.

Die Tagung fand unter der Leitung von Don Michel Remery, Vize-Generalsekretär des CCEE und Pater Leon Ó’Giolláin, Sekretär der Sektion „Universität“ der CCEE-Kommission „Katechese, Schule und Universität“ und dem Vorsitz von Msgr. Marek Jędraszewski statt. An ihr nahmen auch Msgr. László Kiss-Rigó, Bischof von Szeged, und in der Eröffnungssession der Rektor der Universität Gál Ferenc Főiskola, Dr. Kozma Gábor und der Rektor der Universität von Szeged, Dr. Szabó Gábor teil. Zu Beginn wurden die Botschaften des ungarischen Ministers für Humanressourcen, Dr. Zoltán Balog, und des Kardinals Giuseppe Versaldi, Präfekt der Kongregation für das Katholische Bildungswesen, vorgelesen.

(Quelle: Pressemitteilung CCEE)


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Gedicht zum Sonntag: „Drum gib mir, Gott! durch deinen Geist ein Herz, das dich durch Liebe preist“

Britta Dörre  |  01/05/16
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So jemand spricht: Ich liebe Gott!
Und haßt doch seine Brüder,
Der treibt mit Gottes Wahrheit Spott,
Und reißt sie ganz darnieder.
Gott ist die Lieb, und will, daß ich
Den Nächsten liebe, gleich als mich.

Wer dieser Erden Güter hat,
Und sieht die Brüder leiden,
Und macht den Hungrigen nicht satt,
Läßt Nackende nicht kleiden;
Der ist ein Feind der ersten Pflicht,
Und hat die Liebe Gottes nicht.

Wer seines Nächsten Ehre schmäht,
Und gern sie schmähen höret;
Sich freut, wenn sich sein Feind vergeht,
Und nichts zum Besten kehret;
Nicht dem Verleumder widerspricht;
Der liebt auch seinen Bruder nicht.

Wer zwar mit Rat, mit Trost und Schutz
Den Nächsten unterstützet,
Doch nur aus Stolz, aus Eigennutz,
Aus Weichlichkeit ihm nützet;
Nicht aus Gehorsam, nicht aus Pflicht;
Der liebt auch seinen Nächsten nicht.

Wer harret, bis ihn anzuflehn,
Ein Dürftger erst erscheinet,
Nicht eilt, dem Frommen beizustehn,
Der im Verborgnen weinet;
Nicht gütig forscht, ob’s ihm gebricht;
Der liebt auch seinen Nächsten nicht.

Wer andre, wenn er sie beschirmt,
Mit Härt und Vorwurf quälet,
Und ohne Nachsicht straft und stürmt,
So bald sein Nächster fehlet;
Wie bleibt bei seinem Ungestüm
Die Liebe Gottes wohl in ihm?

Wer für der Armen Heil und Zucht
Mit Rat und Tat nicht wachet,
Dem übel nicht zu wehren sucht,
Das oft sie dürftig machet;
Nur sorglos ihnen Gaben gibt;
Der hat sie wenig noch geliebt.

Wahr ist es, du vermagst es nicht,
Stets durch die Tat zu lieben.
Doch bist du nur geneigt, die Pflicht
Getreulich auszuüben,
Und wünschest dir die Kraft dazu,
Und sorgst dafür: so liebest du.

Ermattet dieser Trieb in dir:
So such ihn zu beleben.
Sprich oft: Gott ist die Lieb, und mir
Hat er sein Bild gegeben.
Denk oft: Gott, was ich bin, ist dein;
Sollt ich, gleich dir, nicht gütig sein?

Wir haben einen Gott und Herrn,
Sind eines Leibes Glieder;
Drum diene deinem Nächsten gern;
Denn wir sind alle Brüder.
Gott schuf die Welt nicht bloß für mich;
Mein Nächster ist sein Kind, wie ich.

Ein Heil ist unser aller Gut.
Ich sollte Brüder hassen,
Die Gott durch seines Sohnes Blut
So hoch erkaufen lassen?
Daß Gott mich schuf, und mich versühnt,
Hab ich dies mehr, als sie, verdient?

Du schenkst mir täglich so viel Schuld,
Du Herr von meinen Tagen!
Ich aber sollte nicht Geduld
Mit meinen Brüdern tragen?
Dem nicht verzeihn, dem du vergibst,
Und den nicht lieben, den du liebst?

Was ich den Frommen hier getan,
Dem Kleinsten auch von diesen,
Das sieht Er, mein Erlöser, an,
Als hätt ich’s ihm erwiesen.
Und ich, ich sollt ein Mensch noch sein,
Und Gott in Brüdern nicht erfreun?

Ein unbarmherziges Gericht
Wird über den ergehen,
Der nicht barmherzig ist, der nicht
Die rettet, die ihn flehen.
Drum gib mir, Gott! durch deinen Geist
Ein Herz, das dich durch Liebe preist.

*

Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769) war ein deutscher Erzähler, Fabel- und Liederdichter sowie Moralphilosoph. Er wurde am 4. Juli 1715 in Hainichen im Erzgebirge geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Das Studium der Theologie und Philosophie, das er 1734 begonnen hatte, musste er wegen Geldmangels 1739 unterbrechen. Er war als Privatlehrer tätig und setzte sein Studium ein Jahr später, 1740, fort. 1744 schloss er sein Studium schließlich mit einer Dissertation ab und unterrichtete ab 1745 an der Universität in Leipzig. 1751 erhielt er eine Professur in Philosophie, die er aber 1761 aus gesundheitlichen Gründen niederlegte. Gellert unternahm mehrere Kuren in Berlin, Karlsbad und Dresden, die jedoch zu keiner spürbaren Besserung seines Zustands beitrugen. 1757 gab er die Sammlung „Geistliche Oden und Lieder“ heraus, die teilweise heute noch in Gesangbüchern enthalten sind. Freundschaftliche Bande pflegte er zur Familie Mozart.

Christian Fürchtegott Gellert starb am 13. Dezember 1769 in Leipzig. Der Nachwelt blieben besonders seine Fabeln in Erinnerung. Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), der Gellerts Vorlesungen besucht hatte, betrachtete dessen Morallehre als grundlegend.


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Meinen Frieden gebe ich euch

Redaktion  |  01/05/16
PASSEPARTOUT Tagesevangelium rainbow

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.
Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.
Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.
Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.
Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.
Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.

(Quelle: Evangelium Tag für Tag© Evangelizo.org 2001-2016)


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