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Newsletter 06/17


Die neue Rolle des Mannes

Liebe LENA-Freundinnen und -Freunde,

Berichte und Informationen darüber,  wie wir Frauen in Bezug auf Gleichberechtigung in der Arbeitswelt unterstützen können, stehen meist im Fokus unseres Newsletters. Aber in den vergangenen 20 Jahren hat sich ja auch vieles an dem Männerbild unserer Gesellschaft verändert. Die neue Rolle des Mannes wollen wir in diesem Newsletter nicht unbeachtet lassen. So lesen Sie heute von einem allein bzw. miterziehenden Vater, den wir befragt haben, wie er Kinder und Beruf unter einen Hut bekommt und welchen Vorurteilen er sich ausgesetzt fühlt. Interessant sind die Tipps, die er anderen allein erziehenden Vätern, aber auch Müttern gibt, die Kind und Beruf managen. Unser rolemodel in diesem Newsletter ist eine beeindruckende Unternehmerpersönlichkeit, die als Geschäftsführerin den Vorsitz eines Familienunternehmens führt. 

Mit diesem Newsletter verabschieden wir uns in den Sommerurlaub. Im August sind wir wieder "online".
Bis dahin wünsche ich Ihnen viel Freude beim Lesen und wie immer freue ich mich auf Ihre Anregungen und Wünsche.

Herzlichst, Ihre

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Leadership
Was sich der moderne Mann wünscht

Zunehmend wünschen sich berufstätige Männer, mehr Zeit mit ihrer Familie oder ihrer Beziehung verbringen zu können. Flexible Arbeitszeiten und Teilzeitarbeit oder auch Vaterschaftsurlaub werden von ihnen eingefordert, obwohl das bei Arbeitnehmern als auch bei Arbeitgebern noch immer nicht vollumfänglich akzeptiert wird, gar als unmännlich angesehen wird. Je mehr Männer sich aber gegen das traditionelle Bild des alleinigen Ernährers auflehnen, desto stärker wird die klassische Unternehmenskultur herausgefordert. Das traditionelle Bild der Führungsperson gerät ins Wanken. Das bestätigt Sandra Ondrascheck, die nun als Direktorin in ihrer Organisation „Catalyst“ Männer in Führungspositionen in die Gleichstellungs-Pflicht nimmt. Sie prophezeit, dass „eine Konzernleitung, die auf Command and Control baut, den heutigen Ansprüchen kaum mehr gerecht wird. Die neuen Generationen von Arbeitnehmern wollen Führungsfiguren, mit denen sie zusammenarbeiten können. Und solche Chefs müssen Qualitäten mitbringen, allen voran persönliche Risikobereitschaft, Mut, Verbindlichkeit, Demut.“

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Entrepreneurship
rolemodel: Dr. phil. Nicola Leibinger-Kammüller

ist Vorsitzende der Geschäftsführung der TRUMPF GmbH + Co. KG, verantwortlich für Unternehmensentwicklung, Unternehmenskommunikation, Markenmanagement, Anlagen und Bauten sowie Recht und M&A. Sie ist 1959 in Wilmington, Ohio (USA) geboren., studierte Germanistik, Anglistik und Japanologie in Freiburg, Middlebury, VT (USA) und Zürich mit anschließender Promotion.

Seit 1985 ist sie im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die TRUMPF Gruppe tätig, von 1988 bis 1990 für die TRUMPF Corporation in Japan. Von 1992 bis 2010 war sie Geschäftsführerin der Berthold Leibinger Stiftung GmbH, seit 1994 Gesellschafterin der TRUMPF GmbH + Co. KG, seit Januar 2003 Geschäftsführerin der TRUMPF GmbH + Co. KG. Im November 2005 übernahm Frau Dr. Leibinger-Kammüller den Vorsitz der Geschäftsführung der TRUMPF GmbH + Co. KG, der Führungsgesellschaft der TRUMPF Gruppe.

Leibinger-Kammüller ist seit 1984 verheiratet und hat vier Kinder. Daneben nimmt Frau Dr. Leibinger-Kammüller zahlreiche ehrenamtliche Aufgaben im wissenschaftlichen, kulturellen und sozialen Bereich wahr. Sie ist zudem Mitglied des Aufsichtsrats der Siemens AG, der Voith GmbH und der Axel Springer AG sowie Mitglied des Beirats der Landesbank Baden-Württemberg und der BW-Bank.



copyright: TRUMPF GmbH + Co. KG (Holding) 

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Network
"mit erziehend" statt "allein erziehend"

Stephan Knecht ist Vater von zwei Kindern und Geschäftsführer einer KMU, die hochwertige Elektronik im Audiobereich herstellt. Er lebt mit seinen Kindern in der Schweiz. Von der Mutter seiner Kinder hat er sich getrennt. LENA sprach mit Stephan Knecht über die Machbarkeit Familie und Karriere zu vereinen.

LENA: Wie alt waren Ihre Kinder, als Sie begonnen haben, sie allein zu erziehen? 
Stephan Knecht: Die Kinder waren 6 und 4 zum Zeitpunkt meines Auszugs. Ich plädiere für den Ausdruck „Miterziehung", obwohl die Kinder überwiegend in meiner Obhut sind, da bei getrennt lebenden Eltern der andere Elternteil weiterhin eine wichtige Rolle spielt - sei es positiv durch Mitwirkung oder negativ durch gewollte oder ungewollte Abwesenheit. Bis zur Scheidung wechselten die Kinder im Wochenrhythmus zwischen beiden Elternhäusern. Anschliessend zog die Mutter ins Ausland, sodass die Kinder fortan während Schulzeiten bei mir wohnen, mit gelegentlichen Wochenenden bei ihrer Mutter. Ferien werden nach Absprache aufgeteilt.

LENA: Welchen Beruf üben Sie aus?
Stephan Knecht: Geschäftsführer einer KMU, 80% arbeitend. Wir entwickeln, produzieren und vermarkten hochwertige Elektronik im Audio-Bereich. Die Firma wurde von mir gegründet, rund 1 Jahr vor Geburt des ersten Kindes. Ich bin in der etwas privilegierten Situation, dass ich grosse Freiheit in der Gestaltung meiner Arbeitszeit habe.
 
LENA: Wie vereinbaren Sie Beruf und Kind? Evtl. ein Beispiel aus dem Alltag…
Stephan Knecht:  Seit Tag 1 und auch schon während der Schwangerschaft hatten die Kinder einen hohen Stellenwert in meinem Leben. Als klassische Opernsängerin war die Mutter häufig auf Konzert oder auf Reisen. Wir ergänzten uns in der Betreuung. Beispielsweise fuhr ich während eines Sommers mit dem Orchester mit auf Konzertreise, damit das jüngste Kind gestillt werden konnte. Ich war im Orchester bekannt als jener, der anstatt eines Koffers mit Musikinstrument immer einen Laptop dabei hatte. Mit den heutigen Möglichkeiten der Telekommunikation und Medien lässt sich sehr vieles von unterwegs bearbeiten, aber man muss es auch tun und mit der räumlichen Abwesenheit von Kollegen umgehen können. Da es sich um meine eigene Firma handelte war meine Motivation stets hoch, anstehende Aufgaben zeitnah und vollständig zu erledigen.
Ein typischer Tagesablauf: Um 6 Uhr die Kinder wecken, Frühstück vorbereiten. Das eine Kind braucht mehrere Weckanstösse, also wird viertelstündlich geweckt. Um 7 Uhr ist Frühstück für alle. Falls davor Zeit ist erledige ich 15 bis 20 Minuten Emails. Um 8 Uhr sind die Kinder ausser Haus. Danach nehme ich mir fast eine Stunde Zeit für mich, mit Zeitung lesen, Kaffee trinken, den Tag planen, vielleicht etwas Haushaltarbeit. Vor halb 10 bin ich selten im Büro und um 18 Uhr herum wieder daheim. Dann wird Abendessen zubereitet. Falls noch Hausaufgaben aus der Schule anstehen werden sie derweil am Esstisch erledigt, wo ich mich je nach Notwendigkeit einklinke. Nach dem Essen steht je nachdem Haushaltsarbeit an, Büroarbeit, Spiel mit den Kindern oder telefonieren (die Kinder mit ihrer Mutter). Die Abende sind sehr unterschiedlich. Mittwochabend schauen wir meistens einen Film zusammen an. Wenn die Kinder nach 21 Uhr im Bett sind geht es bei mir oft noch einmal los mit beruflicher Arbeit, vielleicht bis 23 Uhr. Wäsche und Geschirr werden den heutigen Möglichkeiten entsprechend im Vorbeigehen erledigt und stellen keine grosse Belastung dar. Einkaufen ist heutzutage hocheffizient; es ist meistens von allem ausreichend im Laden, in geprüfter Qualität. Aus aktuellem Anlass habe ich seit zwei Monaten online-Lieferungen kennen und schätzen gelernt, da ich durch einen Sportunfall mit durchtrennter Achilles-Sehne krank geschrieben bin. Ein online-Warenkorb kann von sämtlichen Familienmitgliedern laufend befüllt werden, bis ich ihn zur Kasse bringe. Wenn etwa ein Kind ein Rezept ausprobieren möchte, legt es die Zutaten dafür einfach in den Korb.
 
LENA: Kennen Sie andere Väter, mit denen Sie sich austauschen? (Stelle mir vor, dass Sie z.B. auf dem Spielplatz vorwiegend Mütter antreffen, aber wenig Väter!?)
Stephan Knecht: Mit einem Minimum an schulischem Interesse eines Kindes lernt man mit Sicherheit andere Eltern kennen, mit denen man sich austauschen kann. Dabei unterscheide ich bei Rat zu kindlichen Dingen nicht zwischen Vätern und Müttern sondern kontaktiere, wen ich in der konkreten Situation dafür am besten geeignet finde und bringe mein Anliegen vor, etwa: „Ich komme zu dir als Mutter/Vater. Hast du mir einen Ratschlag zu …"

 
Stephan Knecht plädiert für den Ausdruck "Miterziehung" anstatt "Alleinerziehung"

LENA: Mit welchen Vorurteilen werden/wurden Sie als allein erziehender Vater konfrontiert?
Stephan Knecht: Mit Vorurteilen kaum, hingegen wurde stellenweise Ignoranz oder leichter Generalverdacht spürbar. Die folgenden Beispiele sind keine wirklichen Probleme, über die es sich zu enervieren lohnt. Besser ist es, bei solchen Gelegenheiten entspannt zu bleiben und mit gutem Beispiel voran zu gehen. An einem Elternabend wurden ständig „die Mamis“ angesprochen; als Vater wurde ich bestenfalls als Informationsträger wahrgenommen („Bitte sagen Sie dem Mami von <mein Kind>, dass nächste Woche Veloprüfung ist“). Im Anschluss an die Veranstaltung machte ich die Lehrerin im Zweiergespräch höflich darauf aufmerksam, dass sie doch eigentlich wüsse, dass die Kinder während Schulzeiten bei mir wohnen. Ich glaubte ihr ihre Entschuldigung durchaus, dass sie die Ausklammerung von Männern gar nicht wahrnahm und keine schlechte Absicht dahinter stand. Oder bei einer Reise mit den Kindern nach Übersee hinterfragte der Flughafenpolizist bei der Ausreise meine Kinder etwas gar inquisitorisch, wo denn Mami sei, ob sie nicht traurig sei, nicht mitkommen zu dürfen, usw. Im umgekehrten Fall (ich bin viel per Flugzeug unterwegs), wenn eine Mutter mit Kindern fliegt, habe ich derartiges noch nie beobachtet. Eine Grenze zwischen Vorurteil und Erfahrung zu ziehen ist allerdings schwierig und im Grunde bewundere ich Zollbeamte führ ihre Arbeit.

LENA: Was muss sich Ihrer Meinung nach gesellschaftlich, politisch und kulturell ändern, damit Vorurteile gegenüber allein erziehenden Vätern abgebaut werden?
Stephan Knecht:  Gesellschaftlich, politisch und kulturell? Das spricht eine hohe Ebene an. Wichtig finde ich den Wechsel zu einer offenen, ehrlichen Debatte über unsere gegenwärtige Vision der Gesellschaft, statt in klug klingende Worte verpackte Besitzstandwahrung - egal von welcher Seite. Man hört viele Argumente, liest über Analysen und Studien, die das eine oder andere zwingend logisch herbei führen möchten, doch steckt dahinter oft pure Absicht des Absenders, in der Vergangenheit gewonnene Pfründe zu erhalten, sei es im Bereich Teilzeitarbeit, Sorgerecht, Pensionsalter, Militärdienst, etc. Gute Ideen wie etwa Feminismus oder Sozialismus werden entführt und zum eigenen Vorteil versucht zu missbrauchen. Eine offene, ehrliche Debatte muss aber von Werten und Zielen ausgehend geführt werden, die uns alle betreffen, ungeachtet von Geschlecht oder Stellung in der Gesellschaft. Dazu gehören Fragen wie: Wie wollen wir leben, welche Rollen haben Familie, Arbeit, Bildung, Gesundheit, Wohlstand, Absicherung? Wie weit müssen wir auf nicht weg zu diskutierende Unterschiede zwischen Mann und Frau Rücksicht nehmen? Und wie stark sind wir wirklich bereit, uns zu bewegen? "Schaffung von Gleichberechtigung ohne Tabuzonen" klingt vielleicht erst mal gut. Doch scheinen Männer das Thema Lohnungleichheit gegenüber Frauen trotz Evidenz genauso gerne still auszusitzen wie Frauen die Tatsache, dass im Sozialbereich Milliarden mehr an Frauen als an Männer verteilt werden. Visionäre Vorschläge beschreiben einen derzeit erstrebsamen Idealzustand und müssen frei von Besitzstand-Denken sein. Dabei stehen die angesprochenen drei Dinge Gesellschaft, Politik und Kultur in einer Reihenfolge zueinander. Zuerst rückt die Vision der grossen Fragen unsere Kultur ins Zentrum. Wenn diese Vision transparent wird können politische Massnahmen daraus abgeleitet werden. Schliesslich resultiert eine gewandelte Gesellschaft daraus. Die Debatte auf Stufe der grossen Lösungen vermisse ich. Über sie können wir den bestehenden, wertvollen Teppich an kulturellen und sozialen Errungenschaften zielgerichteter auf eine nächste Entwicklungsstufe führen, statt in taktischen Geschlechter-Scharmützeln kleine Tritte vorwärts und rückwärts zu machen.

LENA: Welche Tipps haben Sie für andere Väter, aber auch für Mütter, die allein erziehend sind?
Stephan Knecht:  Beziehen Sie die Kinder in möglichst vieles mit ein. Was will jeder, was muss jeder, auch als Elternteil? Wir besprechen die Agenda offen, mit allen Familien-Mitgliedern (auch der Mutter), sodass alle ihre Wünsche anbringen können, keine Informationsnachteile herrschen und nach Abschluss der Planung alles auch unmittelbar gilt, ohne späteres Veto des anderen. Auch Finanzen besprechen wir offen - was können wir uns leisten, was wollen wir uns leisten? Dies schafft Vertrauen aber auch Verständnis, wenn gewisse Dinge nicht möglich sind. Kinder verstehen auch in frühem Alter sehr vieles, wenn man ihnen den für das Verständnis notwendigen Hintergrund gibt. Beispielsweise verstehen Kinder bei richtiger Aufklärung ein temporär höheres Arbeitsaufkommen eines Elternteils und fühlen sich dann nicht zurückgesetzt oder vernachlässigt (obwohl sie es während dieser Zeit aber sein könnten!).
Wenn Sie Sorgen haben, teilen Sie sich kindgerecht mit, aber ohne die Kinder zu verängstigen. Kinder haben eine feine Antenne dafür, wenn etwas nicht stimmt. Wird es nicht ausgesprochen, verunsichert es die Kinder. Überprüfen Sie periodisch, mindestens einmal pro Jahr, Ihr Zeit-Management und eliminieren Sie Zeitfresser. 
Gelegentliche emotionale Schwankungen sind normal, aber jammern Sie nicht. Verwenden Sie Ihre Energie besser zur Lösungssuche. Weder Kinder, die bei hauptsächlich einem Elternteil aufwachsen, noch deren Eltern sind von einem anderen Stern. Daher sind obige Tipps auch für sogenannte intakte Familien ratsam. Dort hat man allerdings mehr Reserve. Wenn im Zweielternhaushalt nur einer von beiden chaotisch ist, funktionieren die meisten administrativen Dinge trotzdem. Bei getrennten Eltern ist in einem solchen Fall periodischer Ärger programmiert.

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